vipria. Wie stehts mit unserem Dichterschwarm? Wirkt ihre Gefangenschaft auf ihn?

arrogantia. Herrlich! Alle Dichter dieser Insel rennen in geistloser Verwirrung durcheinander; auch nicht ein Vers steht ihren hohlen Köpfen zu Gebot, seit sich die Phantasie daraus entfernt.

vipria. So komm, ich will der Phantasie verkünden, wodurch sie ihre Freiheit kann erringen. Unterdessen wird sich dieser im Palaste Hermionens zeigen. Berühre ihn mit deinem Pfeil!

arrogantia. Erglänze, Kies, und werd zum Edelstein, von außen wenigstens! (Sie berührt Nachtigall; er hat ein mit Gold gesticktes Staatskleid an.)

vipria (berührt einen Baum, es hängt augenblicklich eine goldne
Harfe daran).
Und ich schenk diese Harfe dir, geh hin und lasse sie
erklingen;
Durch Harfenton erfreutest du so manches trübeHerz,
Doch heute bring ein fröhliches durch ihren Klang
zum Schmerz!
Erring durch sie das Preisgedicht, du Sänger froher Lust,
Und bohr dadurch den Rachepfeil in Hermionens Brust!

(Beide ab in ihren Palast.)

3. Szene

nachtigall allein

nachtigall. Jetzt laufen s alle zwei davon und lassen mich allein da stehn. Wenn ich nur ein Wort verstanden hab von der ganzen Schnatterei, so bin ich ein schlechter Mann. Ich weiß gar nicht, was s mit mir da wollen. Wann ich lieber in meinem Bierhaus wär, mir wird mein Lungenbratel kalt, das ich angschafft hab. Und tu ich nicht, was sie schaffen, so bringen s mich am Ende gar um, die zwei Bißgurn. Anzogen hätten s mich schön, es könnt was herausschauen; aber ich kenn mich nicht aus, mir bleibt der Verstand aus, und ich soll ein Preisgedicht machen! Um keinen Preis, das kann ich nicht. Lieder hab ich genug gemacht, ich war sehr liederlich—will ich sagen liederreich; aber andere Vers, gerührte, die hab ich noch nie versucht.—Ach was, ich verlasse mich auf meine zwei Rabenschwestern. Ich geh jetzt einmal in den Palast und hol mir entweder einen tüchtigen Respekt oder tüchtige Schläg ab. Der Zufall ist ein kurioser Kerl, der hat schon manchen herausgeholfen.

Arie.
Der Zufall, der sendet viel Vögelchen um
Von zweierlei Gattung per se,
Die flattern der Welt um die Nase herum
Und bringen ihr Wohl oder Weh.
Die Glücklichen habn eine rote Bordur,
Die Schlimmen sind schwarz wie ein Rab,
Doch streifen die roten auf blumiger Flur,
Die schwarzen, die fliegen talab.
Drum send mir, o Zufall, ich bitte dich fein,
Ein rosiges Vögelchen heut,
Das flieg in den Saal meiner Zuhörer nein
Und stimm sie zur Nachsicht und Freud;
Dann schwing ich die Harfe, erobre die Braut
Und führ sie im Jubel nach Haus.
Doch ist sie mein Weibchen, dann rufe ich laut,
Freund Zufall, jetzt pack dich hinaus!
Die Treue darf nie bloß durch Zufall bestehn,
Der Zufall bringt oft ein Chapeau,
Und Zufälle, die durch ein Dritten entstehn,
Die machen nur selten uns froh,
Doch stürbe mein Weibchen, fatale Geschicht
Mein Wunsch wird es niemals zwar sein,
Dann, glücklicher Zufall, vergesse mich nicht,
Find mit einer andern dich ein.