nachtigall. Das will ich hoffen; die gefüllten Ideen sind immer besser als die ungefüllten, das ist so wie mit den Krapfen. Übrigens hab ich als Dichter eine außerordentliche Leichtfertigkeit, ich hab schon über fünfhundert Trauerspiels geschrieben, und je mehr als ich schreibe, desto trauriger wird das Publikum.
hermione. Kennst du den Homer?
nachtigall. Nein! Aber den Humor kenn ich, und der soll mir auch Ihr Herz erobern. Auch darf man gar nicht glauben, daß ich ein armer Teufel bin, ich hab in England schöne Revenuen.
narr. Also nicht der arme Poet von Kotzebue?
nachtigall. Nein, der reiche, aber es sind nicht alle so reich. Es gibt geschickte Dichter, wenn sie den Mund auftun, machen sie sehr witzige Ausfälle, aber wenn sie den Sack aufmachen, fällt ihnen nie was heraus. Doch zur Sach jetzt! Mein Herr Vetter, ein gwisser Apollo, ist mir die vorige Nacht im Traum erschienen, hat mir Ihre Hand versprochen und den heutgen Abend zur Vermählung bstimmt. Machen Sie also keine Umständ und fügen Sie sich in sein Willen. Meine Aufwartung hab ich gmacht, ich werd jetzt noch ein kleins Jausenschlaferl machen, und dann fang ich zum Dichten an, daß der Rauchen auffliegt. Und eh die Sonne in das Meer noch plumpst, bin ich so glücklich, Ihr Gemahl zu sein. (Will ab.)
hermione. So lebe wohl; beweise bald, ob du ein Meister in dem Versbau bist.
nachtigall. Was Bau? Verzeihen Sie, da muß ich nochmal umkehren. Ein Baumeister bin ich nicht, das sag ich gleich.
hermione. Ist nicht die Dichtkunst mit der Baukunst formverwandt? Denn wie der Bauherr Stein an Stein aus edlem Marmor füget, so reihet der Poet Gedanken an Gedanken und bindet sie durch seines Witzes Mörtel.
nachtigall. Sie irren sich. Wissen S was für ein Unterschied ist zwischen einem Dichter und ein Baumeister? Wenn einem Dichter was einfallt, ist s ihm eine Ehr, wenn aber einem Baumeister etwas einfallt, das ist eine schöne Schand, das glauben Sie mir, der ich die Ehre habe mich zu empfehlen. (Ab.)
10. Szene