amphio. Betrogen bin ich durch die Phantasie, sie ist ein Weib. Hätt ich ihr nicht getraut!

hermione (empört). O könnt ich für dich dichten, um dir zu beweisen, wie schön ein Weib aus Liebe denken kann.

amphio. Sie ist erschöpft, sie hat sich selbst verbannt.

hermione. O lästre nicht! Sagst du nicht selbst durch dein Gedicht: Es ist die Phantasie ein tiefer Zauberbrunnen, Aus dem wir der Gedanken Nektar schöpfen; Es reichet vom Olymp bis in des Orkus tiefsten Schlund, Mit seinem Ring umschließet er die Welt, Und unausschöpfbar ist sein ewger Born; Denn alle Ströme der Verhältnisse Ergießen sich auf seinem Grund.

amphio. O Königin, warum hast du den kühnen Schwur gewagt? Es hätte des Gedichtes nicht bedurft; nur deine Liebe braucht ich zu erringen, den wisse, daß— doch nein, nun ists zu spät, du wirst des Siegers Braut, und mein Geheimnis laß ich mit mir untergehn.

hermione. O halt! Noch hab ich einen Hoffnungsstrahl. Wie du, so klagen alle meine Dichter, vielleicht, daß es ein Spuk der bösen Zauberschwestern ist. Drum Mut, denn in dem Tempel des Apolls muß dieser Zauber schwinden. Freude, Amphio, mir sagts mein Herz.

amphio. Das Elend hascht nach jedem Hoffnungswahn, so will ich mein Vertrauen mit deinem Hoffen denn vermählen und einen Sohn erwarten, der Erfüllung heißt.

hermione. Ich will noch vor dem Fest schnell das Orakel fragen, mehr darf ich nicht für unsere Ruhe tun. Nicht mir gehör ich an, nein, ich gehör Apoll! Mein höchst Vertraun setz ich auf ihn, den Weltbestrahlenden; denn eine Ahnung hat er mir in meine Brust gelegt, daß mich ein andrer nicht erringen darf als du. Darum erwart ich in dem Tempel dich. Mut, Amphio, die Götter sind uns nah! Vertrau auf ihren Schutz! (Ab.)

amphio (allein). Nun wohl, ich will mein Glück dem letzten Augenblick vertraun; und konnte mich die Phantasie, die hohe, täuschen, dann laß mich ziehen aus dir, Welt, in der das Edle trügt und nur Gemeines sich bewährt. (Ab.)

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