Lucina. Beim Zeus, ich bin erstaunt!
Kreon. Sei nicht so grausam doch,
Daß du die Möglichkeit belegst mit solchem Joch
Du willst den Flug und kettest unsre Flügel,
Du spornst den Gaul und engest seine Zügel.
Hades. Sie hat's gewollt, ich ändre meinen Ausspruch nie,
Glaubt Ihr, der Hölle Süd zeugt keine Phantasie?
Hast du vielleicht gewähnt, Unsterblichste der Nymphen,
Es lasse Hades sich so ungerecht beschimpfen?
Ich bin, was du so schlau gefordert, eingegangen,
Doch bleibet unerfüllt mein dreifaches Verlangen,
So sei's bei des Kozytus Trauerlauf geschworen,
Du wirst des Orkus Spott, und Kreon ist verloren.
(Geht mit Würde ab.)
Achte Szene.
Vorige ohne Hades
Kreon. Verloren bin ich, ja, mein Sturz war schon vollendet,
Als sich sein Furienblick nach meinem Reich gewendet.
Das Rätsel ist nun klar, ich weiß, wie es geschah,
Mein Unglück steht entlarvt und frech entkleidet da.
Was ist das Leben doch? wie wär' ich zu bedauern,
Wenn ich nicht sterblich wär' und müßte ewig trauern.
Lucina. O traure nicht zu früh, mein Geist gebärt Gedanken,
Die ihn mit Hoffnungen wie Efeu grün umranken.
Die Götter dulden's nicht, daß solch' ein Reich vergeht,
Wo ein so edles Volk für seinen König fleht.
(Nachdenkend.)
Massanas Fürst ist krank, und wird nicht mehr genesen,
Das Unglück haust zu arg, es muß das Land verwesen;
Dann hier der blut'ge See, das kallidal'sche Schwein,
Mein Wundermittel wirkt, es kann nicht anders sein.
(Der Wolkenwagen sinkt wieder herab.)
Drum eile jetzt mit mir nach meinem Luftgefilde,
Vertausch' den Anblick hier mit einem schönern Bilde.
Ich will durch mag'sche Kunst ein Zauberlicht bereiten,
Dann such' durch Fremdlinge den Trug ich einzuleiten;
Du aber kannst hier nichts zu deiner Rettung helfen,
Drum harrest du auf mich im Kreise meiner Elfen.
Kreon. So gern du, Göttin, magst nach deiner Heimat ziehn,
So schmerzlich fällt es mir, die meinige zu fliehn.
(Mit tiefer Rührung.)
O du mein teures Reich, ich muß mich von dir trennen,
Den rauhen Felsen nur kann meine Qual ich nennen.
Wo lebt ein König wohl, der solches Leid getragen,
Daß seinem Volke er kein Lebewohl darf sagen?
O Echo, dessen Schall in allen Bergen tönt,
Verkünd' das Trauerwort; leb' wohl, mein Agrigent.
Nun folg' ich Göttin dir ins traumbeglückte Land,
Verlaß mein wirkliches, aus dem man mich verbannt;
Doch wenn die Wolken mir mein treues Volk verhüllen,
Wird sich des Königs Aug' mit heißen Tränen füllen.
Magst du den Schmerz als kleinlich auch betrachten,
Er ist ein heil'ges Weh, du darfst ihn nicht verachten.
(Er kniet vor ihr.)
Lucina (gerührt die Hand auf sein Haupt legend).
Ich ehre tief dein Leid, es führt dich einst zum Lohne,
Der Schmerz gehört der Welt, drum trägt ihn auch die Krone.
(Hebt ihn auf.)
Erhebe dich mein Fürst.
(läßt ihn in den Wolkenwagen steigen.)
Ein Thron soll dich
umrauschen.
(Die Wolke bildet einen Thronhimmel um Kreons Haupt.)
Ist mir Fortuna hold, sollst du ihn bald vertauschen.
(unter zart klagender Musik schwingen sich beide langsam fort.)
Neunte Szene.
(Romantische Gegend.)