Im Hintergrunde links ein gigantischer Fels, mit einer durch ein ehernes Tor geschlossenen Höhle. Neben der Pforte stehen mit Fackel und Dolch bewaffnet die zwei Eumeniden Tisiphone und Alecto, aus Stein gehauen. Megära, die dritte, ist über derselben in sitzender Stellung angebracht. Die Pforte ist symbolisch verziert, neben ihr ein steinerner Opferaltar. In der Tiefe der Bühne ein See, von rauhen mit Bäumen bewachsenen Felsen umschlossen. Im Vordergrund rechts ein Gebüsche. Donner murmelt durch den in weiter Ferne erschallenden

Jubelchor.
Wie des Adlers Kraftgefieder
Seinen Leib zur Sonne trägt,
Fliegen aufwärts unsre Lieder,
Durch der Freude Schwung bewegt.
Glücklich, wie in Himmelszonen,
Von der Erde Leid getrennt,
Stolz die ew'gen Götter thronen,
Herrsch' Kreon in Agrigent.

Phalarius (tritt mit wild zurückschauenden Blicken hastig ein, er
trägt ein Pantherfell über dem Rücken und ist mit Bogen und Pfeil
bewaffnet).
Bin ich denn noch nicht weit genug gezogen,
Verräterische Stadt, die mich betrogen?
Wird auch des Waldes düstre Einsamkeit
Durch deines Jubels frechen Schall entweiht?

(Die letzten Worte des Jubelchores erklingen wieder:
"Herrsch' Kreon in Agrigent."

Herrsch' nur Kreon, Volk, jauchz' die Kehle wund,
Ihr zwingt das Glück zu keinem ew'gen Bund.
Prahlt, Lügner, mit der Kron', die ich erkämpft,
Da nur mein Mut des Krieges Glut gedämpft.
Mich laßt aus Undank meinen Purpur weben,
Ihn färben mit dem ausgeströmten Leben.
Das ich vergeudet am ersiegten Strand,
Den Lorbeer brechend mit der blut'gen Hand.
Glaubt ihr, ich hab' für Agrigent gestritten,
Damit der Rat, nach ungerechten Sitten,
Das Reich verkauft an den unmünd'gen Knaben,
Auf das nur ich ein wahrhaft Recht kann haben?
Denn ist er auch dem Thron verwandt durch Blut,
Bin ich es würd'ger noch durch Heldenmut.
Ich glaub' nicht, was des Tempels Diener sagten,
Als schlau sie Jupiters Orakel fragten,
Ob mir, ob wohl Kreon das Reich gehört;
Es hab' der Gott sich donnernd drob' empört,
Daß ich's gewagt, als meiner Siege Lohn,
Zu fordern Agrigentens goldnen Thron,
Und ausgesprochen unter ew'gen Blitzen;
"Ich dürfe nie ein Reich der Welt besitzen,
Und Agrigent kann dann nur Glück erringen,
Wird auf dem Thron Kreon das Zepter schwingen."
So logen sie, als ich zurückgekehrt,
Aus blut'ger Schlacht zum heißerkämpften Herd,
So logen sie, von aller Scham entwöhnt,
Als Siegesdank fand ich Kreon gekrönt.
Da außen ich des Landes Feind bekriegt,
Hat eigner mich im Innern hier besiegt.
Drum will ich fliehn aus dir, verhaßtes Land,
Doch nimm den Schwur als dräuend Unterpfand,
Daß ich noch einmal zu dir wiederkehre,
Zu rächen die durch Trug geraubte Ehre.

(Will ab und erblickt entsetzt der Rachefurien Höhle.)

Ha, welch ein Pfad hat mich zu euch geleitet,
Blutlose Schwestern, die ihr stets bereitet,
Als der Vergeltung grauenvolle Bürgen,
Gewalt'ge Sünder dieser Welt zu würgen.
Euch fordr' ich auf, an euch will ich mich wenden,
Sprengt auf das Tor mit den entfleischten Händen,
Reicht mir ein Schwert, mich an der Welt zu rächen,
Die mich verhöhnt, und ihren Bau zu brechen.

(Fürchterlicher Donnerschlag, der verrollt; die Pforte dröhnt und erzittert, dann leuchten schwache Blitze auf das Gebüsche rechts, das sich in der Mitte auseinanderteilt. Man erblickt darin Hades, in Lumpen gehüllt, mit bleichem Antlitz auf einem Steine sitzen, er hat einen Sack über dem Rücken hängen.)

Zweite Szene.
Phalarius und Hades.
(Hades grinst Phalarius an, der ihn mit Entsetzen betrachtet.)

Phalarius. Welch ekliche Gestalt, wer bist du?