Hades (mit etwas hohler Stimme, lauernd und gezogen). Ich?
Phalarius. Bist du der Rachefurien eine? (Starr.) Sprich!
Hades (langsam aufstehend, er geht gebeugt und spricht langsam im
hohlen Tone).
Bin keine von den Rachefurien,
Kann selbst kaum mehr auf morschen Knochen stehn;
Bin nicht Tisiphone, Megär', Alecto,
Nein, nein, ich bin,—vergib,—mich schauert so.
Phalarius. Du kannst nicht ganz der Erde angehören,
Du könntest sonst den schönen Glauben stören,
Daß nach dem hohen Götterbild des Zeus
Der Mensch geformet sei durch Prometheus.
Hades. Nicht ganz ist mehr die Erd' mein Vaterland,
Tief unten ruft es mich am styg'schen Strand;
Harpyen, die wie Nachtigallen klagen,
Verkünden, daß die Furien um mich fragen.
Phalarius. Hast du so bös gehaust in dieser Welt,
Daß dir im Enden jeder Trost nun fehlt?
Bist du so arm, daß dich Verzweiflung faßt,
Und hast wohl einst im Übermut gepraßt?
Hades. So ist es, du hast furchtbar wahr gesprochen,
Doch jetzt ist meines Glückes Stab gebrochen;
Viel hab' ich einst auf dieser Erd' besessen,
Geliebt ward ich, ich werd' es nie vergessen,
Doch jetzt bin ich gehaßt, bin unbeweibt,
(Weinend.)
So arm, daß mir nichts mehr, als eine Krone bleibt.
Phalarius (nach einer Pause des Erstaunens).
Was sprichst du, eine Kron'? Wahnwitzig Tier!
Hades. Willst du sie sehn? ich trage sie mit mir.
(Mit stärkerer Stimme.)
Ich schenk' sie dir, willst du's mit ihr versuchen,
Ich hörte dich vorher um eine Krone fluchen,
Doch trägst du sie, legst du sie nimmer ab,
Sie bleibt dem Haupte treu bis an das Grab.
Phalarius. Was nützt die Krone mich, nenn' mir ihr Reich.