Androkles (schwingt den Wurfspieß). Ein Tiger ist's.
Clitonius. Nein, nein, es ist Phalarius, dich täuscht sein
Pantherfell; wir sind verloren, wenn er uns gehört.
Androkles. Schweig still, er raset dort hinüber dem Löwen nach, der ängstlich vor ihm flieht. Komm, laß uns auch vor diesem Königstiger fliehn, wenn Löwen weichen, dürfen Menschen sich der Flucht nicht schämen.
(Beide ängstlich ab.)
Dritte Szene. Musik. Lulu und Fanfu, geflügelte Genien, bringen Zitternadel in einem großen Schal, welchen sie an beiden Enden halten, als trügen sie etwas in einem Tuche, durch die Luft. Sie stehen auf Wolken, und der Schal ist ein Flugwagen und so gemalt, daß Zitternadel gekrümmt wie ein Kind darin liegt und kaum sichtbar ist. Er ruht auf der Erde, der Schal fliegt wieder fort.
Lulu. So steig nur heraus, du tapfres Hasenherz, hier sind wir schon in Sicherheit.
Fanfu. Nun, Schnecke, streck' den Kopf heraus.
Zitternadel (steckt den Kopf heraus). Wo sind wir denn? Ich muß erst meine Gliedmaßen alle zusamm'suchen. (steigt aus, die Genien helfen ihm.) So, ich dank' untertänigst, das sind halt Kinderln, wie die Tauberln. Au weh, so ein Erdbeben möcht' ich mir bald wieder ausbitten. Ich schau' beim Fenster hinaus in meiner Schuldlosität, auf einmal fangt's zum krachen an, als wenn die ganze Welt ein Schubladkasten wär', der in der Mitte voneinanderspringt, und ich stürz' über den siebenten Stock hinunter, die zwei Kinderln fangen mich aber auf und fliegen mit mir davon. Kaum sind wir in der Höh', macht es einen Plumpser, und die ganze Stadt rutscht aus und fallt ins Wasser hinein. Der arme Dichter hat sich eintunkt mit seiner Weisheit. O unglücksel'ger Tag! Weil nur ich nicht ins Wasser g'fallen bin, die Schneiderfischeln hätten's trieben. Überhaupt, wenn die Fisch' die Zimmer unterm Wasser sehn, die werden sich kommod machen. Wenn so ein Walfisch unter einem Himmelbett schlaft, der wird Augen machen. Zwar daß ein Stockfisch auf einem Kanapee liegen kann, das hab' ich an mir selber schon bemerkt. Wenn nur keiner in eine Bibliothek hineinschwimmt, denn da kennt sich so ein Vieh nicht aus. O, du lieber Himmel, ich werd' noch selbst ein Fisch aus lauter Durst. (Kniet nieder.) Liebe Kinderln, seid's barmherzig, laßt mir etwas zufließen, sonst muß ich verdursten.
Lulu. Dein Durst ist uns recht lieb, wir haben dich darum hierher gebracht, um dich zu wässern.
Simplizius. So wässert's mich einmal, ich kann's schon nicht erwarten.