Lulu. Ah, wir getrauen uns nicht. Reit nur voraus, wir kommen dir schon nach. (Laufen ab.)
Simplizius. Ha, feige Brut! (Steigt auf). Da bin ich ein andrer
Kerl. Jetzt kann mir 's Rindfleisch nicht ausgehn, ich bin versorgt.
Hotto, Schimmel! Das versteht er nicht.—Bruaho! (Der Stier fliegt
ab.) Jetzt geht's los.
Vierte Szene.
Tiefere Felsengegend, in der Ferne Wald, auf der Seite eine
Waldhütte. In der Mitte steht Phalarius mit einem goldenen
Wurfspieß bewaffnet, vor ihm liegt ein Löwe und zittert.
Phalarius. Was zitterst du entnervt, verachtungswürd'ger Leu,
Und beugst den Nacken feig vor meiner Krone Glanz?
Mich ekelt Demut an, weil ich den Kampf nicht scheu',
Nie schände meine Stirn solch welker Siegeskranz.
Wofür hat Jupiter so reichlich dich begabt?
Wozu ward dir die Mähn', das Sinnbild hoher Kraft?
Der stolze Gliederbau, an dem das Aug' sich labt?
Das drohende Gebiß, vor dem Gewalt erschlafft?
Der Donner des Gebrülls, der Panzer deiner Haut?
Erhieltst du all die Macht, um mächt'ger zu erbeben?
Schäm' dich, Natur, die du ihm solchen Thron erbaut,
Da liegt dein Herrscher nun und zittert für sein Leben.
(Heftiger)
Du hast mit Schlangen, Luchs und Panthertier gestritten;
So reg' dich doch und droh' auch mir mit mächt'ger Klau'.
Du edelmüt'ges Tier, so laß dich doch erbitten,
Verteid'ge dich, damit ich Widerstand erschau'.
Wie kann ein König noch zu einem andern sprechen.
Mach' mich nicht rasend, denk', du bist zum Streit geboren.
Doch nicht? Wohlan! So will ich euch, ihr Götter, rächen.
Er ehrt sein Dasein nicht, drum sei's für ihn verloren.
(Er tötet ihn, stößt ins Horn, Jäger erscheinen und beugen sich
erschrocken.)
Bringt mir den Löwen fort, ich kann ihn nicht mehr sehen.
(Der Löwe wird fortgebracht, er steht nachdenkend mit
verschlungenen Armen.)
Wozu nützt mir Gewalt, wenn sie mich so erhebt?
Könnt' ich die Erde leicht gleich einer Spindel drehen,
Es wäre kein Triumph, weil sie nicht widerstrebt.
Aspasia tot, durch meiner Krone Dolch entseelt.
Abscheul'che Hölle, so erfüllst du mein Begehren?
Wer war noch glücklich je, dem Liebe hat gefehlt?
Die größte Lust ist Ruhm, doch Lieb' kann sie vermehren,
Doch meine Lieb' heißt Tod, wer mich umarmt, erblaßt.
Unsel'ges Diadem, daß du mein Aug' entzücktest,
Tief quälendes Geschenk, schon wirst du mir verhaßt,
Ich war noch glücklicher, als du mich nicht beglücktest!
Äol, der oft die Majestät der Eichen bricht,
Und so am Haupt des Walds zum Kronenräuber wird,
Sag'! warum sendest du die geile Windsbraut nicht,
Daß sie die Kron' als glühnden Bräutigam entführt?
(Die Jäger kommen zurück, er setzt sich auf einen Fels.)
Ich wünschte mich mit etwas Traubensaft zu laben,
Der eigennütz'ge Leib will auch befriedigt sein.
Erster Jäger. Den kannst du, hoher Fürst, aus jener Hütte haben,
(Klopft an)
He, Alter, komm heraus und bringe Wein.
Phalarius. Wer ist der Mann, der hier so tief im Walde wohnt?
Erster Jäger. Ein Feldherr war er einst, nun lebt er als ein Bauer.
Phalarius. Welche Erniedrigung, wer hat so schimpflich ihn belohnt?
Fünfte Szene. Vorige. Der alte Octavian fröhlich aus der Hütte, einen Becher Wein tragend.
Octavian. Komm schon, ein froh Gemüt ist immer auf der Lauer.
(Erblickt die Krone und sinkt nieder.)
Ha, welch ein Blick umschlängelt feurig meine Augen?.
Es krachet mein Gebein und sinket in den Staub.