Phalarius. Laß sehen, ob dein Wein wird meinem Durste taugen.
(Will trinken.)
Doch sag', warum verbirgst du dich so tief im Laub?
Octavian. Gewähr', daß ich den Blick von deiner Krone wende,
Wenn du willst Wahrheit hören, und sie dein Ohr erfreut.
Phalarius. Ich hasse den Betrug, steh auf und sprich behende.
Octavian (steht auf, doch ohne Phalarius anzusehen—fröhlich).
Mich freut der grüne Wald, beglückt die Einsamkeit,
Ich hab' sie selbst gewählt, lieb' sie wie einen Sohn.
Ich bin nicht unbeweibt, mein Herz schlägt lebenswarm,
Glüh' für mein Vaterland, sprech' seinen Feinden Hohn,
Und wenn es mein bedarf, weih' ich ihm Kopf und Arm,
Sonst bau' ich froh mein Feld, ein zweiter Cincinnat.
Phalarius. Ein kluger Lebensplan, wenn du bloß Landmann wärst,
Dann bau' nur deine Flur, so dienst du treu dem Staat.
Als Feldherr hoff' ich, daß zu herrschen du begehrst.
Octavian. Ich herrsche ja, wer sagt, daß ich nur Diener bin?
Weißt du denn nicht, daß jedes Ding der Welt ein Herrscher ist?
Die Götter herrschen im Olymp mit hohem Sinn,
Auf Erden Könige, so weit ihr Land nur mißt,
Der ganze Staat, wie es Gesetz und Fürst befiehlt,
Ein jeder dient und hat doch auch sein klein Gebiet.
Und so wird eines jeden Dieners Lust gestillt.
Der Sänger herrscht durch edlen Geist in seinem Lied,
Der Liebende in der Geliebten schwachem Herzen;
Der Vater wacht im Haus für seiner Kinder Heil;
Der Arzt beherrscht der Krankheit widerspenst'ge Schmerzen;
Der Fischer seinen Kahn, der Jäger seinen Pfeil;
Kurz, jeder hat ein Reich, wo seine Krone blitzt,
Der Sklave selbst an Algiers Strand, der ärmste Mann,
Der auf der Erde nichts als seine Qual besitzt,
Hat einen Thron, weil er sich selbst beherrschen kann.
Phalarius (der während der Rede mit Erstaunen gekämpft, schleudert
den Becher fort).
Genug, ich trinke nicht den wortvergällten Wein,
Nicht Labung reichst du mir, du tränkest mich mit Gift,
Du wärst vergnügt und herrschest nicht? Es kann nicht sein!
Octavian. Das bin ich, Herr, selbst dann, wenn mich dein Zorn auch trifft.
Phalarius. Unmöglich, widerruf, daß du dich glücklich fühlst,
Es gibt bei solcher Kraft nicht solchen Seelenfrieden,
Du weißt nicht, wie du tief mein Inneres durchwühlst.
O Götter, welche Pein erlebe ich hienieden,
Daß ich nicht froh sein kann und Frohsinn schauen muß.
Gesteh, du bist kein Held, warst nie auf Ruhm gebettet,
Du warst nie Feldherr, nein, regiertest stets den Pflug.
Octavian. Ein Knabe warst du kaum, als ich das Reich errettet.
Ich bin Octavian.