Vierzehnte Szene. Simplizius (allein). Ha, Pompei ist erobert, Sieg über die Kalmuken! Da gibt's Waffen. (Er setzt sich den Helm auf.) Her da mit dem Helm! (Nimmt das Schwert, steckt es in die Binde und hebt den Spieß auf.) Das ganze Zeughaus häng' ich um. So, jetzt ist der Stefan Fädinger fertig. Rache, Rache! Alles muß bluten. Einen Haß hab' ich, ich glaub', es dürft' mich einer spießen, mir war's nicht möglich, ihn zu küssen. Die ganze Welt ist mir zuwider.

Lied.
Wenn s' mir die Welt zu kaufen geb'n,
Ich weiß nicht, ob ich's nimm;
Da könnt man ein' Verdruß erleb'n,
Es würd' ein' völlig schlimm.
Und ließ' man's wieder lizitier'n,
Was könnt' man da viel profitier'n?
Vors erste ist s' ein alt's Gebäu',
Wer weiß, wie lang s' noch steht,
Das sieht man an Massana glei',
Daß s' sicher untergeht.
Und fällt ein' so a Welt ins Meer,
Wo nimmt man g'schwind a andre her?

Die Völker steh'n mir auch nicht an,
D' Kalmuken, d' Hugenotten,
Und wen ich gar nicht leiden kann,
Das sind die Hottentotten.
Da möcht' ich grad' vor Wut vergeh'n,
Und ich hab' nicht einmal ein' g'seh'n.

Auch ist's ein Elend mit den Tier'n,
A' bloße Fopperei,
Was kriechen s' denn auf allen vier'n,
Ich geh' ja auch auf zwei.
Die meisten können uns nur quäl'n,
Am liebsten sind mir die Sardell'n.

Die Sonn', die ist schon lang mein Tod
Mit ihrer öden Pracht,
Der Mondschein macht sich's gar kommod,
Der scheint nur bei der Nacht;
Und dann die miserablen Stern',
Die weiß man gar nicht, zu was s' g'hör'n.

Kurzum, ich hass' die ganze Welt,
Im Sommer wie im Winter,
Mir liegt sogar nichts an dem Geld,
Es ist nicht viel dahinter.
Ein einz'gen Menschen nur allein,
(Deutet auf sich.)
Wüßt' ich—dem ich noch gut könnt' sein.
(Ab.)

Fünfzehnte Szene.
Ewald und Aloe.

Aloe (muß von einer jugendlichen Schauspielerin dargestellt werden mit grauen Haaren; sie hat den Kopf in ein Tuch gewickelt, wie eine griechische Matrone, und geht etwas gebückt.) Nein, nein, mein lieber schmucker Herr, das geht nicht so geschwinde, das Mädchen ist zu jung, sie braucht noch keinen Freier. Ach, du keusche Göttin Diana, kaum bin ich eine Stunde aus dem Hause, um die tapferen Männer zu bewundern, so fängt das Mädchen Liebeshändel an. Wo habt Ihr denn das ungeratene Kind gesprochen?

Ewald. Am Fenster sprach ich sie.

Aloe. Seht doch, und glaubt Ihr denn, man heiratet bei uns die
Mädchen gleich vom Fenster nur herunter, wie man Zitronen pflückt?
Laßt Euch den Wunsch vergehen. Ich sehe fünfzig Jahre schon zum
Fenster heraus und hab' mir keinen Mann erschaut, so lange kann sie
auch noch warten. Ich kenn' Euch nicht einmal, wer seid Ihr denn?