Alzinde (am Fenster). Bist du rasend, Mensch? was reizt dich so zur Wut?
Gluthahn (äußerst boshaft). Heraus gehst, sag' ich, sonst zünd' ich das Haus an allen Ecken an, ich kenn' mich nicht vor Wut. O weh, mir wird nicht gut, ich armer Mann—wer hilft mir denn? (Sinkt in den Stuhl und löst sein Halstuch.) Wasser, Wasser! Mir wird übel—ich stirb, wenn sich kein Mensch erbarmt—o! o! (Pause.)
Alzinde. Götter, welch ein Mensch! Er liegt bewegungslos! was soll ich tun? Wenn er nun stirbt, so bin ich schuld, ich könnte ihn erretten. Er ist ein böser Mensch zwar, aber doch ein Mensch, die Sonne scheint auf ihn, so wie auf mich, und fordert mich zu seiner Rettung auf. Ich will der Tugend dieses kleine Opfer bringen. (Öffnet die Hütte und trägt in einer Schale Wasser.) Alter, Alter, hier ist Wasser!
Gluthahn (springt schnell auf). Heisa, hab' ich s' erwischt?
Jetzt kommst mir nimmer aus. (Packt sie.)
Alzinde. Ha, du verräterischer Molch!
Gluthahn (ringt mit ihr). Jetzt will ich dich zum Kirchtag führen. (Der Hund bellt heftig.) Still, du Rabentier. (Er zerrt sie hinter das Haus in die Kulisse. Nach einer Pause kommt)
Sechzehnte Szene.
Trautel (mit einem Korb Äpfel). Was bellt denn nur der Hund so sehr? Spektakel! was treibt denn mein Mann? der hebt ein altes Weib auf seinen Wagen. (Peitschengeknall.) Jetzt fährt er fort mit ihr. Du gottloser Mensch, wenn er nur nichts Schlechts vorhat mit dem Weib? Wie er ausjagt,—das geht nicht mit rechten Dingen zu. Ich lauf' in' Steinbruch, such' den Nachbar, sag's dem Bader, klag's dem Richter, allen Leuten unt' im Orte will ich schnell die ganze G'schicht' erzählen. Das ist ein Unglück, daß ich gar nicht weiß, was geschehen ist. (Ab.)
Siebzehnte Szene.
(Kurzes Wolkentheater.)
An der Seite, im Vordergrunde, eine hervorragende thronartige Wolkengruppe. Geister der Tugend, weiß gekleidet, Lilienstengel in den Händen, kommen unter passender Musik trauernd auf die Bühne.