Alzinde. Wer bist du, bleicher, ungeladner Gast? Was willst du von der Dunkelheit und mir?

Genius der Vergänglichkeit. Ein Vater will ich von deinen Leiden sein.

Alzinde. Ein Vater? ach, mein Vater ist dort oben.

Genius der Vergänglichkeit. So kehre heim zu ihm. Reich' mir deine Hand, Alzind'. Ich bin kein Jüngling, der die Ewigkeit zum Liebesschwur mißbraucht. Sieh, unsre Locken sind sich gramverwandt; darum schenke mir die teuren Reste des Vertrauens, die dein Unglück dir gelassen hat. Sieh hin!

(Die Mitte der Kerkerwand bildet einen Kerkerbogen. Diese Wand öffnet sich und man sieht durch den finstern Bogen eine kleine Insel, von einem See umgeben, auf welcher ein indisches Monument steht, mit dem Namen Alzinde, von Zypressen umgeben. Die Gegend ist vom Mondlicht hell bestrahlt. Der Kerker bleibt finster.)

Genius der Vergänglichkeit. Nach jenem Eiland führ' ich dich, das kein lebend'ger Schiffer noch geschaut, nichts wird dort deine süße Ruhe stören. Was immer dich aus dieser Welt betrübt, gekränkt; Verfolgung, Neid und Undank bleiben fern von dir. Dort legt unter einsamen Zypressen der Ruhm beschämt die goldnen Kränze ab, der wutentbrannte Haß und alle Leidenschaften dieser Erde löschen ihre Fackel schweigend aus. Ird'sche Freuden werden dir nicht winken, doch milde Sterne werden dein verklärtes Haupt umglänzen, und der lichte Engel deiner reinen Tugend führet deinen Geist aus Himmelswolken zu dem Thron der ew'gen Wonne hin.

Alzinde. Ja, ich verstehe dich. Es sinket eine mächt'ge Stunde nieder und gebietet einer Königin. Du bist der Friedensengel, der den bösen Streit beendet, den der Mensch mit seinem Glück hier führt; du bist das große Ziel, zu dem uns alle Wege führen.

Genius der Vergänglichkeit. Ich bin der kräftige Magnet, der alles Leben an sich zieht. Wie du dich auszuweichen auch bemühst, es ist umsonst! Denn könntest du durch tausend Sonnen wandeln, du trittst auf einen Pfad, und eh du es noch ahnst, gelangst du in mein Reich.

Alzinde. So nimm mich mit dir, guter Vater, an jenen Ort, wo ew'ge Freude herrscht, ich werde meinen Hoanghu dort sehn und alle meine teuren Lieben, die meinem Leiden vorausgeeilet sind. Komm, ich folge dir. (Der Genius hält sie in seinem Arm und will sie fortführen, da ertönt Hoanghus Stimme, die hintere Wand schließt sich. Kerker wie vorher.)

Achtzehnte Szene.
Vorige. Gleich darauf Hoanghu und der Genius der Tugend.