Alzinde. Ja, ich bin's, mein Hoanghu; laß mich los, du grauer
Riese, der sich jetzt dem Blick erst zeigt, laß mich hin in seine
Arme, nur dem Gatten schlägt mein Herz. Warum hältst du mich
umklammert, niemals werd' ich deine Braut.

Genius der Vergänglichkeit. Hast du mir dich nicht verlobet? Du bist mein, ich lass' dich nicht.

Alzinde. Nein, dies wendet den Vertrag. Du warst nur ein Rettungsmittel, doch ich hab' ihn hier gefunden, nun gehör' ich dieser Welt. Ha, wie sich der düstre Kerker jetzt mit holden Farben schmückt; wie das schaurige Gewölbe nun auf goldnen Säulen ruht; wie mir seine dunkle Kuppel hell erglänzt wie Chrysolith; und dies alles schafft Hoanghu, der wie eine zweite Sonne nur für mich die Welt bestrahlt. Und ich soll ein Leben lassen, erst geboren durch die Liebe, soll mit dir, du düstrer Alter, in dein ernstes Schattenreich? Gib mich auf, du läst'ger Freier, nimmer wird Alzinde dein.

Hoanghu. Laß sie los, du graue Schlange, oder ich zerhaue dich.
(Will mit dem Schwert auf ihn dringen.)

Genius der Vergänglichkeit. Armer, sinnverlorner Kämpfer, mit dem
Tod drohst du dem Tode? Durch mich selbst willst du mich morden?
Senk' die Waffe, denn der leichtgewebten Luft kann sie keine Wunden
schlagen.

Hoanghu. O du stolzgesinnter Prahler, du bist dennoch meinesgleichen, bist ein Feldherr, ausgesendet, um das Leben zu erobern; bist ein Held, der sein Panier hin auf Leichenhügel pflanzt und das grause Siegerhaupt sich mit Rosmarin bekränzt; und so willst du an mir handeln, du des Undanks echter Sohn, willst ihr Leben mir versagen, eines schwachen Weibes Leben, und ich habe so viel tausend kräft'ge Männer dir geweiht?

Genius der Vergänglichkeit (ironisch). Und wie hast du dies begonnen? Laß doch hören, tapfrer Junge.

Hoanghu. Was war Indiens Schlachtfeld anders, als dein blut'ger Opferherd? Warst du nicht in meinen Siegen stets das große Losungswort, das die Chöre der gefallnen Krieger wimmerten zu deinem Lob? Hat die blutbespritzte Fahne deinen Ruhm nicht stolz verkündet? Und die gift'gen Pfeile, die wir rauchend aus dem Leib der Feinde rissen, daß mit offnem Munde dich unheilbare Wunden priesen? Sieh, so habe ich gehandelt an dir, undankbarer Geist, hab' das mut'ge Sein bestohlen und den Schatz dir zugesendet; darum fordre ich ihr Leben als mein rechtlich Eigentum.

Alzinde. O wie liebt mich mein Gemahl.

Genius der Vergänglichkeit. Du hast nur dein Recht verteidigt, das gibt dir kein Recht an mich. Von dem Leben magst du fordern, Leben fordern darf nur ich.