Hoanghu. Nun, so will ich mit dir handeln, Wuchrer, der so bittre Zinsen nimmt. Schenke mir Alzindens Leben, und ich will von meinem dir gern die beßre Hälfte geben.

Alzinde. Ha, mein Hoanghu, was tust du?

Genius der Tugend. Götter, stärket sein Gemüt.

Hoanghu.
Sieh, so groß ist meine Liebe, daß sie in den Staub mich
zieht.
So wardst du noch nicht geehret, daß ein König vor dir kniet.
(Er kniet.)
Meine Waffen leg' ich nieder, meine Hände heb' ich auf,
(Er bittet mit aufgehobenen Händen.)
Laß dich, guter Tod, erweichen, schließ den vorteilhaften Kauf.
Was willst du mit ihrem Leben, das vor Alter bald zerfällt?
Nimm dir meine rüst'ge Hälfte, trotzig steh' ich noch der Welt.
Sieh die festgestählten Muskeln, sieh die hochgewölbte Stirn,
Leicht ist der Gewinn zu rechnen, Kaufmann, frage dein Gehirn.
Sei doch nicht so unerbittlich, sieh, mein Auge tränt vor Schmerz,
Es sind meine ersten Tränen, und sie schänden nicht mein Herz.
(Weint.)

Alzinde (vor Freude außer sich).
Götter, Sonne, all ihr Welten, seht, Hoanghu weinet hier,
Schaut herab von euren Wolken, seine Tränen fließen mir.
Welche Gattin kann sich rühmen, daß ihr Gatte so sie liebt,
Daß er Freude, Glück und Leben, daß er alles für sie gibt?
Ha, wie alle Nerven beben, wie sein Anblick mich entzückt,
(Edel ausgelassen.)
Wie ich glücklich bin und lache, wie die Freude mich berückt;
Perlen treten in mein Auge, doch ich weine nicht aus Schmerz,
Freudentränen ist ihr Name, Freude sprenget mir das Herz.

(Augenblicklich fällt rauschender Chor ein, vollstimmig und hehr.)

Chor.
Freudentränen,
Freudentränen,
Heißt das große Losungswort!

(Der Kerker verwandelt sich in Alzindens Reich. Die Dekoration der Eingangsszene. Alles Volk ist entsteinert, die Tugendgeister knien um den Tempel. Der Genius der Vergänglichkeit verschwindet. Alzinde hat sich in ihre vorige Gestalt verwandelt, doch im weißen einfachen Kleide. Alzinde und Hoanghu stürzen sich freudig in die Arme.)

Hoanghu. O Alzinde!

Alzinde. Mein Hoanghu! Ewig, ewig bist du mein!