Erster Geist. Noch nicht—in deiner Rache wüt'gem Eifer hast du vergessen, ihr ein Ziel zu setzen; ewig darfst du nicht verfluchen, wie du es von dem ew'gen Geiste bist. Drum sprich, wie lang an diesen Zauberfluch ihr Glück gefesselt bleibt, und wann und wie sich lösen können diese Schreckensbande?
Moisasur. Weil du mich mahnst an meine Pflicht, verruchter Geist, so höre meinen Spruch! Nur dann, wenn sie im Arm des Todes Freudentränen weint, kehrt ihr zurück, was ihr mein Zauberspruch entrissen. Nun regt die trägen Drachenglieder, eilet fort, Erwartung geißelt mein Gefühl. Den höchsten Berg der Welt will ich besteigen und durch der Hölle Mikroskop will ich mit süßer Lust auf ihr verbittert Leben schaun. (Ab.)
(Die Geister versinken mit Alzinden.)
Vierte Szene. Auf dem Rücken einer Alpe, mit der Aussicht auf ferne Gletscher. In der Mitte ein Bergstrom. Der Horizont finster umwölkt. Rechts ein hohes Bauernhaus, Gluthahn gehörig, links eine arme Hütte, neben derselben sprudelt eine Quelle in ein natürliches Becken.
Gluthahn
(kommt erzürnt und erhitzt).
Das ist ein schlechtes G'sind'
Im Rattental dahint';
Der Bauer Michel Stier
Kömmt vor'ges Jahr zu mir,
Weint wie ein altes Weib,
Und geht mir nicht vom Leib;
Mein lieber Nachbar Glut,
Ich bitt' Euch, seid so gut
Und zahlt mir auf mein Haus
Fünfhundert Taler aus.
(Heuchlerisch.)
Und ich, ich guter Narr,
Mein Herz, das ist halt wahr,
Das findt man nirgends mehr,
Ich bin so dumm, geb s' her.
Ich führ' ihn hin zum Tisch,
Wir schreiben einen Wisch;
Fünfhundert Taler bar
Geb' ich dir auf ein Jahr;
Und daß ich dich nicht druck',
So zahlst' mir achte z'ruck.
Wo ist das Jahr schon hin?
Was ich gelaufen bin,
Was ich schon schrei' und schelt',
Ich komm' nicht zu dem Geld.
A Zeitlang war er krank,
Der Teufel weiß ihm's Dank!
Jetzt ist er wieder g'sund,
Und zahlt mich nicht, der Hund!
Mit ihm red' ich noch gern,
Ihm zeig' ich doch ein' Herrn;
Doch ist sein Weib zu Haus,
Die macht mich noch brav aus.
Pfui, das sind doch undankbare Leut', nicht einmal pfänden wollen sie sich lassen. Gluthahn, wie wirst du jetzt das Geld ersetzen? Mit Freuden würd' ich einen andern darum betrügen, doch ich gewinn's nicht übers Herz, ich bin zu gut. (Heftig.) Aber mir soll noch einer kommen und Geld begehren.—Da grab' ich meine Taler eh' fünftausend Klafter in d' Erden ein und zünd' mein Haus an allen Ecken an, eh' ich so einem Schuft ein' Kreuzer auf fünfzig Schritte nur zeig'. Einen eignen Hund richt' ich mir ab, daß er s' vom Haus weg hetzt. (Heuchlerisch.) Ich muß anders werden, ich bin zu gut. Wo ist denn nur mein Weib schon wieder? Trautel, hörst denn nicht? Trautel!
Fünfte Szene.
Voriger. Trautel kommt, sie ist und spricht etwas kränklich.
Trautel. Aber, was schreist denn so?
Gluthahn. Wo bist denn, falsche Nummer, die auf den ersten Ruf nicht kommt.
Trautel. Ich soll ja nicht in d' Luft.