Der Musiker erhob sich, trat an den Stutzflügel, der in der Nähe der Gartentür stand, und öffnete ihn, während alles Platz nahm.

Jetzt begann er zu spielen. In feierlichen, vibrierenden Schwingungen, sofort an die Eigenart ihres Urhebers mahnend, quollen die Töne auf.

Der Architekt, wie um gesammelter zuzuhören, schloß die Augen; der Maler drehte, etwas zerstreut, die Enden seines feinen blonden Schnurrbärtchens; Conimor, die Hände in den Hosentaschen, öffnete den Mund. Frau von Ramberg hatte sich neben Elsa gesetzt und lauschte mit zurückgeworfenem Haupte und übereinandergeschlagenen Beinen. Elsa blickte starr vor sich hin; von Zeit zu Zeit schien ein leichter Schauder durch ihren Körper zu gehen.

Das Spiel war zu Ende und tiefe Stille trat ein. Der Architekt fuhr empor; man merkte, daß er geschlummert hatte. Endlich sprach Frau von Ramberg: „Großartig! Erhaben!“

„Das eigentlichste Werk des Meisters, eine Offenbarung“, bekräftigte H.... barsch.

„Hm — ja“, sagte Conimor, indem er aufstand und näher trat. „Aber was Sie letzthin gespielt haben, hat mir noch viel besser gefallen. Sie wissen, das Stück da — aus Tristan und Isolde —“

„Isoldens Liebestod“, versetzte der Musiker kurz, ohne ihn anzusehen.

„Ach ja, Isoldens Liebestod!“ rief Elsa hastig. „Er ist wundervoll! Spielen Sie ihn doch!“

„Wird es Sie nicht zu sehr angreifen, meine Liebe?“ fragte die Ramberg mit gedämpfter Stimme. „Ich fürchte —“

„Ach nein, nein! Es tut nichts! Bitte, liebster H...!“