„Warum nicht?“ unterbrach er mich rauh. „Es gibt doch vertraute Zofen, die man mit derlei beauftragen kann.“
„Je nun — in Romanen. Aber selbst angenommen, daß man sich einer solchen Vermittlerin bedient, so wäre es doch weit einfacher — und auch weit besser gewesen, wenn man dir geschrieben hätte.“
Er stutzte. „Vielleicht“, erwiderte er verwirrt. „Und sie würde mir auch gewiß geschrieben haben,“ setzte er, froh eine Ausflucht vor sich selbst zu finden, rasch hinzu, „wenn sie meinen Namen wüßte.“
„An deiner Stelle würde ich es sehr sonderbar finden, daß dies noch nicht der Fall ist. Es wäre doch sehr leicht gewesen, deinen Namen zu erfahren.“
„Allerdings“, bekräftigte er, ärgerlich darüber, daß ich ihn in diese Klemme gebracht. Aber schon zeigte er sich von einer plötzlichen Eingebung erleuchtet. „Und man wird ihn auch wissen. Aber Geschriebenes bleibt nun einmal Geschriebenes und kann sich unter Umständen zu einem gefährlichen, weil verräterischen Dokumente gestalten, während ein solches Inserat immer und ewig nur dem Eingeweihten verständlich bleibt. Ich sehe übrigens,“ fuhr er mit zusammengezogenen Brauen kühl und gemessen fort, „daß du dich, um mir nicht zustimmen zu müssen, gewaltsam gegen diese sprechende Tatsache verstockst. Ich finde dies, nachdem dich der Major ins Vertrauen gezogen, auch sehr begreiflich. Du kannst übrigens in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt sein. Denn insoweit kennst du mich wohl, daß ich der Mann bin, der nunmehr, nach allem, was da vorgefallen, die äußerste Zurückhaltung beobachten wird. Daher auch diese ganze Angelegenheit zwischen uns beiden von heute an nicht mehr zur Sprache kommen soll.“ Er verbeugte sich sehr förmlich und ging aus dem Zimmer.
Mochte er gehen! Wenn er nunmehr vollkommene Zurückhaltung bewahrte, so war dies gut für ihn, erwünscht für diejenigen, die seinen Kundgebungen ausgesetzt gewesen. Der Zweck meiner Mission war erfüllt. Im übrigen konnte die Sache auf sich beruhen.
V.
Seit jenem Tage war zwischen mir und Burda eine Entfremdung eingetreten; wir trafen nur bei unvermeidlichen Anlässen zusammen und sprachen dann über gleichgültige Dinge. Dazu kam noch, daß ich zu einer dienstlichen Verwendung bestimmt wurde, die mich eine Zeitlang von Wien fernehielt, und so war bereits der Frühling im Anzug, als ich wieder dorthin zurückkehrte.
Nicht ohne Unbehagen hatte ich meinem ersten Zusammentreffen mit Burda entgegengesehen, und war daher nicht wenig erstaunt, als er mich bei dem Besuche, den ich ihm doch abstatten mußte, sehr herzlich empfing.
„Lieber Freund,“ sagte er mit einer gewissen Wehmut, indem er die Arme ausbreitete, „ich freue mich unendlich, dich wieder zu sehen. Offen gestanden, ich habe mich während deiner Abwesenheit sehr vereinsamt gefühlt. Allerdings“, fuhr er leicht errötend fort, „durch eigene Schuld. Wir hätten ja wenigstens in brieflichem Verkehr bleiben können, wenn ich nicht damals durch mein schroffes Benehmen — — Nun, Geschehenes läßt sich nicht ungeschehen machen, und ich kann dich nur bitten, zu vergeben und zu vergessen.“