Diese unerschütterliche Erwartung erfüllte sich selbstverständlich nicht; dafür aber geschah es, daß eine hochgestellte militärische Persönlichkeit, der Generaladjutant des Kaisers, in Prag eintraf und daselbst einen Tag verweilte. Es fügte sich, daß wir ihm, ohne noch von seiner Ankunft zu wissen, vor dem Hotel, in welchem er abgestiegen war, begegneten, wobei er unseren militärischen Gruß freundlichst erwiderte.

„Das war Graf G...!“ sagte Burda, als wir den General hinter uns hatten, ganz aufgeregt. „Was ihn wohl hierher geführt haben mag?“

„Wer kann das wissen? Vielleicht geht er nach Karlsbad; er leidet ja bekanntlich an der Leber.“

„Möglich. Aber hast du bemerkt, wie eindringlich er mich ins Auge gefaßt hat?“

„Das habe ich nicht wahrgenommen.“

„Aber ich“, sagte Burda kurz und verabschiedete sich, da wir eben bei der Gasse angelangt waren, in der er wohnte.

Am Abend besuchte der Generaladjutant das Theater, wo wir ihn mit dem Landeskommandierenden in dessen Loge sitzen sahen. Man gab die Oper Martha, die der Graf wohl oft genug gehört haben mochte. Er schenkte auch der Vorstellung nur wenig Aufmerksamkeit, sprach eifrig mit dem Kommandierenden und blickte dabei manchmal durch das Opernglas nach den Offizieren im Parterre; eine Art von Musterung, welche durchaus in der Natur der Sache lag.

Beim Nachhausegehen sagte Burda: „Gib acht, es scheint etwas im Zuge zu sein. Er ist offenbar nicht ohne besondere Absicht nach Prag gekommen. Und daß man Martha gegeben hat, ist ebenfalls sehr bezeichnend.“

„Wieso?“ fragte ich.

„Denke nur ein wenig über das Sujet nach, und du wirst dahinter gelangen.“