„Allerdings — vom Sehen —“
„Dann wirst du auch bemerkt haben, wie arrogant der Bursche ist. Er dankt kaum, wenn man ihn grüßt.“
„Ich glaube, du tust ihm unrecht“, erwiderte ich. „Ich halte ihn für einen ganz harmlosen Menschen. Seine Unart scheint mehr einer gewissen Verlegenheit zu entspringen.“
„Ach was!“ entgegnete Burda gereizt. „Ich weiß das besser. Und jetzt wird mir auch klar, weshalb man sich seit einiger Zeit im Englischen Hof am Kavalleristentische sehr sonderbar benimmt.“
Daran war etwas Wahres, und ich selbst hatte davon gehört. Denn im Regiment, woselbst man an Burda seit dessen Bestreben, in das Adjutantenkorps aufgenommen zu werden, eine immer schärfere Kritik übte, wurde teils mit Entrüstung, teils mit Schadenfreude behauptet, er sei auf dem besten Wege, sich öffentlich bloßzustellen. So hätten sich die Kavallerieoffiziere, welche im Englischen Hof sehr opulent zu dinieren pflegten, bereits über die Grandezza lustig gemacht, mit der er im Hotel erscheine und ein Kuvert zu mäßigem Preise samt einer kleinen Flasche Rotwein bestelle. Infolgedessen habe man ihm dort (natürlich ganz harmlos und ohne zu ahnen, welche besondere Anzüglichkeit damit verbunden war) auch den Stichelnamen „der verwunschene Prinz“ beigelegt.
Ich sagte daher jetzt nicht ohne Verlegenheit: „Das solltest du gar nicht beachten. Man weiß ja, daß die Herren ‚auf stolzen Rossen‘ uns bescheidene Fußgänger immer ein wenig von oben herab ansehen.“
„Nein, nein, das ist es nicht allein. Der Rittmeister hat offenbar durch seinen Onkel Wind bekommen — und bei Tisch allerlei über mich vorgebracht.“
„Das sind Einbildungen, lieber Freund.“
„Durchaus nicht. Ich weiß es jetzt bestimmt. Und du sollst dich selbst überzeugen; ich lade dich ein, heute mit mir zu speisen.“
Diese Einladung war mir natürlich sehr unerwünscht; da er aber darauf bestand, und ich überdies befürchten mußte, daß er sich in der Stimmung, in der er war, ohne meine Begleitung zu einem aufsehenerregenden Schritt könnte hinreißen lassen, so sagte ich schließlich zu.