Man hüte die Kinder aber vor Näschereien, vorzüglich denjenigen, die um Weihnachten und Nikolaus in den katholischen Ländern verkauft werden. Es sind meistens Sachen, die mit Gummigutt, Grünspan, Schaumgold, d. h. Messing gefärbt, und aus schlechtem Mehl und etwas Zucker zusammengebacken sind, welche billig wegen ihren schädlichen Eigenschaften in jedem polizirten Staate verbothen werden müßten.
Man glaube nur nicht, die Kinder würden dadurch Fresser und Schlemmer, daß man sie durch so sinnliche Gegenstände zur Arbeit und guten Handlungen ermuntere, oder daß in der Folge für sie ein gutes Mittagsessen mehr seyn würde, als eine edle That. Nein das ist sicher der Fall nicht. So wie das Wachsen allmählig aufhört, das Kind sich weniger bewegt, so hört auch mit dem Bedürfnisse die Lebhaftigkeit dieses Sinnes auf, und um die Zeit bekömmt dabei im gesellschaftlichen Zustande das Herz so viel zu thun, daß der Magen uns so sehr nicht mehr beschäftigt. Nur die werden Fresser, welchen ihr Appetit nicht gestillt, sondern gereizt wird, oder welche Nerven von der Bauart haben, daß sie weder von innen noch von außen Beschäftigung finden, und also nur mit — ihrer Verdauung und Ernährung zu thun haben.
Hier muß ich noch gegen einen Mißbrauch warnen, der den Kindern nicht selten sehr nachtheilig ist. Es ist die eckelhafte Gewohnheit vieler Kindswärterinnen, den Bissen, den sie kleinen Kindern geben, immer vorerst in ihrem Munde herumzuwälzen, und mit ihrem, oft gefährlichen, Speichel zu besudeln. Man lasse nur die Speisen gehörig abkühlen; denn ist es ja nicht möglich, den Kindern den Mund zu verbrennen!
Von der Kleidung.
Unter die zahllosen Bedürfnisse, welche die Gewohnheit mehr, als die Natur, dem Menschen nothwendig macht, rechnet man billig die Kleider[80]. Ein großer Theil unsrer Degeneration kömmt von unsrer albernen, läppischen Art zu kleiden her. — Ich finde die Mode der Wilden, sich zu tatouiren, nicht so lächerlich und weniger ungesund, als die Sitte der Europäer, sich jedes Glied in eine widernatürliche Lage zu pressen.
Wie unnatürlich sind nicht unsre Kleider! Ich glaube kaum, daß man eine abscheulichere Art, sich zu bedecken erdenken könnte, als die unsrige. Alle Glieder gepreßt, gebunden, geknöpft! — Auf dem Kopfe glaubt man, nie Haare genug haben zu können, während die Männer sie um das Kinn, wo sie ihnen die Natur doch auch gab, mit der größten Sorgfalt abschneiden. — Den Hals, der mit so wichtigen Gefäßen rund umgeben ist, umschlingen wir mit Binden, und stören da den Kreislauf des Bluts. Die Brust und der Unterleib werden erst durch Schnürleiber (die man immer noch in einigen Gegenden Knaben und Mädchen reichlich angedeihen läßt) denn durch enge Westen und hohe Hosen zusammengedrückt. So wird die Brust verengert, das Athemholen erschwert, und das ganze Verdauungsgeschäft gestört. —
Die Hosen sind die schädlichste Kleidung, welche auf diesem Planeten von irgend einem Volke getragen wird, und wahrlich in Absicht auf die Sitten ist die Mode im Königreich Pegu, wo sich die Weiber so kleiden, daß sich bei jedem Schritte ihr geheimster Theil darbietet, nicht von schlimmerer Wirkung. — Auch die Schuhe sind so gestaltet, daß man glauben sollte, der Mensch habe sie sich zu seiner Quaal erfunden[81]. Die Natur machte unsre Füße vorn breit, und hinten spitzig; allein wir verstehen das Ding besser: unsre Schuhe sind vorn spitzig, und hinten breit, dabei so enge, daß unsre Zehen ganz gelähmt, und zwei Drittheile der Menschen mit allerhand Fußbeschwerden geplagt sind. Unsre Zehen sind beinahe, wie unsre Finger, gebildet; daher gibt es viele Völker, die das, was ihnen fällt, mit den Füßen aufheben, und diese fast eben so, wie ihre Hände brauchen können. Bei dem schönen Geschlechte in Europa ist die Kleidung noch weit unnatürlicher, als bei den Männern: sie zielt vorzüglich auf die Ausstaffirung des Busens und auf eine hübsche Taille. Bald befiehlt die Mode den Damen, ihren Busen nur durch einen seidenen Nebel blicken zu lassen, bald heischt sie ihn ganz zur Schau zu stellen; an vielen Orten aber zeigen sie ihn nur bei Ehrenanlässen. — Der Leib ist allgemein in Europa beliebt worden, für schön zu halten, wenn er trichterförmig ist. Alle die Moden, wie z. B. jetzt, wo sich die Frauenzimmer kleiden, als wenn die Schenkel gerade unter den Schultern anfingen, sind nur von kurzer Dauer. Immer kömmt man wieder bald auf die erste, auf die Trichterform, zurück. Wie verderbt muß nicht unser Geschmack seyn, daß es uns gefällt, ein Frauenzimmer, wie eine Wespe in zwei Stücke getheilt zu sehen; daß wir es für eine Schönheit halten, wenn ihr Leib zum Umspannen schmal ist, da inzwischen die Schultern breit sind, die Brüste beinahe bis an das Kinn anschwellen, und der Hinterleib einen großen Raum ausfüllt!