Marie. Blicke dorthin, Theurer, dort erscheint ihr feurig Antlitz Dir von neuem, herrlicher als je zuvor! Vertrau' dem Schöpfer nur und seinen himmlischen Gesetzen, die er geheimnisvoll vor Deinem Auge birgt!
Klaus. Ein trefflich, ein erhaben Wort! Die einzige Wahrheit, welche feststeht! Wie auf Kälte Hitze, Winter Sommer, folgt nach Trauer auch die Freude wieder! Ewigem Wechsel ist alles unterworfen, Himmel und Erde, Thron und Scepter, Rechte und Knechte! Heute ein kümmerlicher Lazarus, nach einem Jahr vielleicht ein vornehmer Herr, mit prächtigen Rossen stolz umherkutschirend und gleich dem duftigsten Dandy, bei den ersten Damen unserer Stadt in Schwung! Gesetzt nur, Du spanntest jetzt die Segel straff, steuertest als echter Römer, kühn von Entschluß und That, in Frau Fortuna's Hafen, hieltest dann mir Dein gegebenes Versprechen, daß ich am Lottospiel der Börse mich betheiligen könnte — He, sollte zum Ergötzen Lucifers nicht bald mein hageres Gesicht in einen Vollmond sich verwandeln, der durch seines Glanzes schnell erborgter Fülle, aller Weisheit feigen Schneckengang, aller Tugend unfruchtbares Darben, aller Priester wirkungslose Predigt, geringschätzig belächelt! — Was meinest Du! Wenn wir sogleich uns auf die Füße machten und retteten was noch zu retten! Wie? Gieb einen Laut von Dir! — Darf's nicht um meinetwillen sein, so thu' es für Marie und ihre Mutter, der Du den sicheren Ernährer raubtest! — Komm'! — Leih'n Sie ihm den Arm nur, Jungfer.
Marie. Wohin? errieth ich Ihre Absicht.
Klaus. Nachher davon.
Albert. Klaus, Klaus, es ist zu spät.
Klaus. Das Mögliche niemals! Und wer da weiß, daß alles möglich, achtet keine Stunde! Hurtig, Jungfer; folgt er in Güte nicht, so üben wir Gewalt!
Albert. Wie ich Dir sage, Klaus.
Klaus. Bring' mich nicht auf! Komm', sei gehorsam! Ohne Genugthuung für die mir zugefügte Schmach entrinnst Du meinen Händen nicht! Ich schwör's bei einem Buckel Schläge Dir! Ja, ja, das merke!
Albert. Ließe sich Geschehenes noch ändern!
Klaus. Bube, ich handle nach Gewissen!