Marie. Wiederhole mir nicht täglich denselben Sermon!

Frau Ziemens. Mach noch diesmal das Gedeck, doch wir essen zum letzten Mal mit ihm: wirst Du oder soll ich's ihm sagen?

Marie (bei Seite). Ach Gott, ich that es leider schon!

Frau Ziemens. He? öffne den Mund.

Marie. Ich werd' es ihm sagen . . . Der Vater! (ab.)

Frau Ziemens. Die Gartenstiege fällt ihm mit jedem Tage schwerer — Er macht's nicht mehr lange und dann, welche Zukunft! (ab.)

Zehnte Scene.

Vater Ziemens. Marie.

Vater Ziemens (auf einer Bank am Tische Platz nehmend). Ich danke mein Kind . . . Es war wieder ein Tagewerk! . . . Das Garnspinnen ist keine schwere Arbeit und doch greift's an, am wenigsten die Arme, aber hier, hier! . . Man dreht und dreht, die Spulen rauschen, die Fäden rollen, nichts anderes sieht und hört man, es geht endlos! Erst die Abendglocke, ha, tönet sie — 's ist als wenn ich zum jüngsten Gericht soll; ein Hauch aus höhern Sphären weht mich an, durchdringt die erstorbenen Beine mit neuem Leben und halb träumend, halb erwacht eil' ich in Gottes frische Luft! . . . (Glocken einer Viehheerde.) Jene Heerden ziehen aber zufriedener heim, sie kommen aus blühenden Fluren; ich, der Christgeborene — aus modrigem Grabgewölbe, tiefsten Kummers voll! — Ein schnöder Rang über dem blöden Thier! . . (Frau Ziemens trägt Essen auf.) . . Wo hast Du doch das schöne Buch, welches der Klaus für den Albert herbrachte; ich möchte die Fortsetzung hören.

Eilfte Scene.