Ihr kluges, schmales Gesicht mit den etwas zarten, aber gesunden Farben wurde ungemein belebt durch die großen dunkelbraunen, fast schwarzen Augen, die im Verein mit den dunklen Wimpern und Brauen in wirkungsvollstem Gegensatz zu dem köstlichen aschblonden Haar standen. Ihr Mund war sehr schön geschnitten, etwas herb und streng im Ausdruck, wenn sie schwieg, aber reizend beim Lächeln.
Unbefangen plauderte sie von diesem und jenem, während er im stillen nach einem Anfang suchte, von dem zu reden, was ihm auf dem Herzen lag, jetzt aber noch klug vermeidend, das Gespräch auf den Gegenstand von gestern zu bringen.
Obwohl es noch ziemlich früh im April war, hatte der warme Sonnenschein der letzten Tage die Knospen wach geküßt, und wie ein zarter, grüner Schleier in helleren und dunkleren Abtönungen, so lag nun das junge Grün auf den Sträuchern.
»Heut’ ist’s doch köstlich-richtiges Osterwetter,« sagte Beate, »sieh nur, Schorschchen, wie reizend die gelben und lila Krokus dort auf dem Beet, und da die ersten Kastanienblätter — wie schüchtern sie aussehen! Ich freue mich immer so über das Auferstehen der Natur, und deshalb ist mir gerade Ostern das liebste von allen Festen!«
»Wie herrlich muß es jetzt im Pfaffenbusch sein,« bemerkte Georg, »ein Gedanke, Bea, — Du hast doch Zeit? Wollen wir mal hingehen? Weit ist’s ja nicht.«
Bereitwillig stimmte sie zu, und nicht lange danach befanden sie sich in dem Gehölz, das unmittelbar an die Stadt grenzend ein beliebter Spazierort war.
Heute traf man nur ganz vereinzelte Spaziergänger an, was Georg sehr recht war. Denn das, was er jetzt mit Beate zu reden hatte, konnte nur in der Stille geschehen.
»Wie schön, Schorsch,« sagte das junge Mädchen, tief Atem holend, »hier offenbart sich die Schöpferkraft der Natur so herrlich; im Walde halte ich meine Kirche, da bin ich immer so gläubig und fromm.«
»Und sonst nicht, Bea?« fragte er eindringlich.
»Wie du es vielleicht meinst, nicht, Georg! Es ist alles so von allein gekommen, und je mehr man nachdenkt, desto mehr bröckelt von dem alten Kinderglauben ab.«