Und vor zwei Jahren, als er sie wiedersah, war er betroffen, zu welch lieblicher Mädchenblüte sich der halbwüchsige Backfisch während seiner Abwesenheit entwickelt hatte. Im ganzen Reiz ihrer holden Siebzehn stand Beate vor ihm: er konnte sich nicht satt sehen an ihrer jungen Schönheit. Und die Zuneigung, die er immer schon für das Kind gehabt, verstärkte sich bald zu einer tiefen, innigen Liebe.

Wenn er ihr auch nichts davon gesagt, so mußte sie es doch fühlen, ahnen; denn der gute Mensch konnte sich nicht verstellen; seine Blicke sprachen zu deutlich. Und am Tage seiner Abreise, als er sie im Garten wußte, suchte er sie dort auf, um Abschied zu nehmen.

Wie es dann gekommen, wußten beide selbst nicht — er hatte den Arm um sie gelegt, ihren zarten roten Mund geküßt und leise gesagt: »Liebe, süße Bea!« Weiter nichts. Sie hatte seine Liebkosung still hingenommen, und seit jener Zeit lebte die Liebe stark und mächtig in ihm und der Gedanke, sobald als möglich in die Lage zu kommen, der Geliebten eine sichere Existenz bieten zu können; vorher wollte er nicht sprechen; sie verstanden sich auch so.

Daß sie nun dennoch das Gymnasium besuchte, war durchaus nicht nach seinem Sinn. Er tröstete sich aber in dem Bewußtsein, daß das auch ein Ende haben würde. Darum wirkte heute doppelt schmerzlich die Eröffnung auf ihn, daß sie studieren wollte. Denn er hatte von einem andern Berufe für sie geträumt; von dem einer liebenden und geliebten Frau, die Sonnenschein und Behaglichkeit in seinem Heim verbreitete!

Hätte er sie nur erst allein gesprochen! Seine ganze Beredsamkeit wollte er aufbieten, sie von ihrem törichten, ungesunden Vorhaben abzubringen. Wenn sie ihn liebte, mußte sie ihm auch folgen. Er hatte sie zu sich herangebildet, mit seinen Idealen und Anschauungen ihr Herz erfüllt, und nun wollte sie andere Wege gehen, fern den seinigen, wo sie beide doch zusammengehörten!


2.

Doktor Georg Scharfenberg hatte am andern Tag Beate Haßler ausgehen sehen. Eilig stürmte er ihr nach und hatte auch das Glück, sie einzuholen. Etwas außer Atem fragte er sie: »Tag, Bea! Wie gehts? Darf ich mich dir anschließen?«

Freundlich reichte sie ihm die Hand. »Wenn es dir Vergnügen macht, Schorschchen; ich habe für Muttchen einige Besorgungen zu machen.«

Glücklich schritt er neben dem geliebten Mädchen einher, das ihm unsagbar lieblich und anmutig erschien. Beate trug ein enganliegendes, dunkelblaues Kostüm, das die Vorzüge ihrer schlanken, gut gewachsenen Gestalt vorteilhaft zur Geltung brachte.