»Meinst du, Vater?« fragte sie, und ihre Augen blitzten. »Das wirst du niemals erleben; ein Umkehren gibts für mich nicht — nie!«
»Und wo willst du studieren, Beate?«
»Zuerst in Zürich, dann in Berlin! Ich nehme mein Studium durchaus ernst und will dahin gehen, wo man am wenigsten auffällt.«
Wie ein Schatten war es auf Georgs Fröhlichkeit gefallen, und bekümmert blickte er auf Beate, die ihm in ihrer kühlen Sicherheit so fremd erschien. Um von dem ihm so unsympathischen Thema abzulenken, fragte er sie nach ihrer Gymnasialzeit. Voller Stolz zeigte sie ihm da ihre tatsächlich hervorragenden Zeugnisse. — Georg lobte sie sehr.
»Weißt du, Bea, wenn du weniger wüßtest, wäre es mir schon lieber,« versuchte er zu scherzen.
Sie gab ihm einen leichten Schlag auf die Hand. »Ja, Schorschchen, darnach gehts aber nicht! Hast du nicht selbst den Grund dazu gelegt? Denke doch an die Stunden, in denen du mir Griechisch und Lateinisch beibrachtest und niemals ungeduldig wurdest,« entgegnete sie in gleichem Tone. Lächelnd hielt sie ihm die Hand hin: »Na, wollen uns wieder vertragen!«
Georg Scharfenberg war der einzige Sohn von Rechtsanwalt Haßlers bestem Freunde, der vor einigen Jahren gestorben war. Zwischen den beiden Familien hatte stets ein reger Verkehr stattgefunden, der durch die Nachbarschaft der Häuser noch erleichtert wurde. Georg Scharfenberg und Adolf Haßler waren in gleichem Alter und besuchten das Gymnasium zusammen — nur mit dem Unterschiede, daß Georg stets einer der Ersten und Adolf einer der Letzten war.
Dieser war ein liebenswürdiger, ziemlich leichtsinniger Sausewind, dem so leicht niemand böse sein konnte, während Georg ernster und schwerfälliger veranlagt war. Beate, das schöne, begabte Kind wurde von allen verzogen. Und Georg besonders opferte seine meiste freie Zeit dafür, ihren nie zu besiegenden Wissensdurst zu stillen; er führte sie in die Geheimnisse der griechischen und lateinischen Sprache ein, und er war erstaunt über die ungeheuer leichte Auffassungsgabe des Kindes.
Dann bezog er die Universität, während Adolf in das Heer eintrat.
Kam er in den Ferien nach Hause, wurde er von Beate mit jubelnder Freude begrüßt. Sie hing sehr an dem älteren geduldigen Freunde und lernte unter seiner Leitung weiter, das in Privatstunden Gelernte wiederholend.