»Wie bist du nur auf die unglückliche Idee gekommen, Beate? Es ist doch blanker Unsinn! Du und studieren!«

Sie zuckte ein wenig ungeduldig die Achseln und hielt sich die Ohren zu. — »Ach geht, ihr werdet nachgerade langweilig mit eurem Staunen! Wie ich auf die Idee gekommen bin? — Ganz von selbst, da ich einen meinen Neigungen passenden Beruf ergreifen will.«

»Aber gerade Medizin! Beate, Mädel, hast du denn keine Ahnung, wie schwer das für ein Weib ist — welche Selbstüberwindung das kostet?«

Ihre schönen dunklen Augen ruhten spöttisch auf seinem Gesicht. »Mein lieber Herr Doktor, Krankenschwester ist auch nicht viel anders als Ärztin: auch sie hat mit Sachen zu tun, die vollste Selbstüberwindung verlangen, und wie sehr wird gerade dieser Beruf als der weiblichste gepriesen!«

»Na, erlaube mal, das ist doch ganz etwas anderes. Aber deine Frauenlogik —«

Mit einer Handbewegung schnitt sie ihm das Wort ab: »Lieber Schorsch, spare dir deine Mühe, mir mein Vorhaben leid zu machen. Deine Ansicht darüber hast du ja genügend gekennzeichnet mit den Worten »glatt verrückt!« Das erübrigt mir alles andere! Gewiß, ich verhehle mir keineswegs, daß ich schwere Jahre vor mir habe, aber glücklicherweise gehöre ich ja nicht zu den Schwächsten meines schwachen Geschlechts. Ich habe Kraft, noch viel mehr zu überstehen! Du scheinst sehr gering von meinem Können zu denken!«

Mit einem langen, schmerzlichen Blick sah er auf das schöne Mädchen, das er als halbes Kind schon geliebt. Und heute war er mit so großen Hoffnungen gekommen, heute, da er ihr eine gesicherte Zukunft bieten konnte. Hatte sie denn ganz vergessen, in welcher Weise sie vor zwei Jahren Abschied genommen hinten im Garten in der Geißblattlaube, wo er sie geküßt und sie seinen Kuß auch erwidert hatte?

Kühl blickten jetzt ihre dunkelbraunen Augen, und ihre Worte klangen herbe; sicher hatte er sie verletzt. »Verzeihe, Beate,« entgegnete er daher, »ich hatte dich nicht kränken wollen, trage mir nicht nach, was ich gesagt habe! Es erscheint mir nur gar so unfaßlich, daß du deine Jugend und Schönheit in solch unnützem Streben verbringen willst.«

»Unnütz? Verzeihung, mein Freund, du bist aber nicht sehr glücklich in der Wahl deiner Entschuldigungen. Ich hoffe, daß ich einmal ein sehr nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werde! Du scheinst wirklich zu denken, daß ich nur als Sport betreiben will, was mir sehnlicher Wunsch und Bedürfnis ist.«

»Da höre einer das Mädel an! Gib dir keine Mühe, Schorsch, es ist doch vergebens! — Stecke dir lieber ’ne Zigarre an, da drüben stehen sie — die nicht, die kleine Kiste — so —« sagte Herr Haßler. »Beate muß nun mal ihren Willen haben! Na, meinetwegen! Ich bin nur neugierig, wenn sie die Sache satt kriegt! Denn ich kann es nicht glauben, daß sie durchhalten wird. Wenn sie erst am Seziertisch steht, wird ihr die Lust bald vergehen.«