Sie liebte den treuen Freund ihrer Kindheit mit der tiefen Zuneigung, deren ihre Natur fähig war, und wenn auch bis jetzt noch kein Wort von Liebe gesagt war zwischen ihnen, so war es doch ein stillschweigendes Bewußtsein gewesen, daß sie beide zusammengehörten. Sie schritten langsam weiter durch den Wald, und doppelt reizvoll erschien ihnen jetzt das erste sprossende Grün, der lichtklare, blaue Himmel.

Georg hatte seinen Arm um die Geliebte gelegt und sprach ihr davon, wie er stets nur an sie gedacht, und wie er nun glücklich sei, ihr jetzt eine gesicherte Zukunft bieten zu können. Er hoffe, daß sie nächstes Jahr um diese Zeit schon seine kleine Frau sei.

Da blieb sie stehen. »Aber nein, Schorschchen, so bald nicht, das ist doch unmöglich.«

»Aber warum? Ich hab doch mein schönes Gehalt, dazu die Zinsen von meinem Kapital, freie Wohnung — da läßt es sich doch bei nicht allzu großen Ansprüchen ganz gut leben.«

»Ach, daran habe ich nicht gedacht! — Nein, Schorsch, erst muß ich doch meinen »Doktor« machen. Du vergißt wohl ganz, daß ich studieren will?«

»Aber Bea, das kann doch dein Ernst nicht mehr sein, jetzt, wo wir uns gefunden haben,« sagte er, unangenehm von ihrer Äußerung überrascht.

Sie löste sich aus seiner Umschlingung und blickte ihm ruhig und gerade in die Augen. — »Doch, es ist mein Ernst!«

»Aber Beate, das ist ja Unsinn! Dann liebst du mich nicht, wenn du daran noch denken kannst,« rief er ganz aufgeregt.

»Denkst du denn so ausschließlich an mich? Hast du denn nicht deinen Beruf, der deine ganzen Kräfte, dein ganzes Interesse in Anspruch nimmt?« fragte sie kühl. —

»Beate, sieh doch ein, daß das etwas anderes ist — ich bin doch ein Mann!«