Da lachte sie kurz auf. »Ja, natürlich, das ist etwas ganz anderes — ein Mann! Und ich als Weib muß mich fein demütig bescheiden, muß meine innersten Wünsche und Neigungen verleugnen, wenn es dem Mann nicht paßt. Aber das darfst du niemals verlangen — du weißt doch ganz genau, daß ich eine selbständige Natur bin.«
»Ja, das weiß ich, und ich will dich auch gar nicht anders haben! Nur lasse ab von der unglückseligen Idee, zu studieren! Ich bitte dich herzlich darum! Was hast du denn davon, du vertrauerst deine schönsten Jahre, die du ganz anders ausnützen könntest.«
»Bitte, Georg, darüber habe ich eine andere Ansicht, und von der lasse ich mich auf keinen Fall abbringen.«
Es war merkwürdig, wie kühl ihre Stimme klang und ihre Augen blickten; die Weichheit und Herzensgüte, die sonst daraus strahlte, war mit einemmale verschwunden. Sie schüttelte ein wenig den Kopf. »Wirklich, Georg, ich hätte dich für großgeistiger gehalten. Aber ihr Männer seid euch darin alle gleich.«
Er faßte ihre Hand. »Beate, hast du mich wirklich lieb?« fragte er eindringlich.
Noch einmal wollte er versuchen, sie umzustimmen. Er kannte gar wohl ihren harten Kopf, glaubte aber durch eine Berufung auf ihre Liebe schließlich doch den Sieg zu gewinnen. Sie mußte ja ein Einsehen haben.
Innig ruhten ihre klaren Augen auf ihm, als sie sagte: »Ja, Georg, ich hab dich lieb, und ich bin glücklich, daß du mich zu deiner Gefährtin erwählt hast. Ich denke es mir herrlich ein Leben an deiner Seite.«
Ein Freudenstrahl huschte über sein kluges Gesicht, und beglückt zog er sie an sich. »Meine geliebte Braut, mein guter Kamerad, du —«
»Ja, eben das will ich auch sein — im wahrsten Sinne des Worts!« unterbrach sie ihn. »Ich will dir in deinem Berufe ganz zur Seite sein — ich will dich bis ins kleinste verstehen, und deshalb, Georg, bitte ich dich, hindere mich nicht in meinem Vorhaben, ich bitte dich darum, um unser Glück!« Und süßflehend schaute sie ihn an.
Der Freudenschimmer auf seinen Zügen erlosch jäh, und eine tiefe Falte grub sich zwischen seine Augenbrauen. »Um unser Glück!« wiederholte er bitter. »Mein Glück verlangt es wirklich nicht, daß du als ausgebildete Ärztin und Kollegin an meiner Seite lebst, nein, ich will dich als meinen guten Kameraden, als mein geliebtes Weib, Bea, bei dem ich mich von den Anstrengungen meines Berufes ausruhen kann.«