Sie konnte doch froh sein, daß sich die Sache noch so gewendet, nachdem sie gesehen, daß Georg ebenso egoistisch und kleinlich denkend wie andere Männer war. Und wie hatte sie es sich schön gedacht, als sein Weib tatkräftig und verstehend an seiner Seite zu schaffen!

Da hieß es denn auf diesen Traum verzichten und von jetzt an für sich allein bleiben — in angestrengter Arbeit Ersatz für das Aufgegebene zu suchen!

Vielleicht war es auch besser so; denn er hatte ja selbst gesagt: »niemand kann zween Herren dienen«, — entweder also die Wissenschaft oder die Liebe, und da es nur eins sein konnte, wählte sie eben die Wissenschaft, die ihr nun alles geben mußte!

Aber ein häßlicher Schatten war doch über ihre Osterfreude gefallen, und traurig und gedankenvoll schritt sie dem Heimweg zu.


3.

Es war erreicht!

»Fräulein Dr. med. Beate Haßler«, hieß es seit mehr als einem Jahr!

Die Studienzeit war vorüber. Die Examina hatte Beate glänzend bestanden, und mit Stolz konnte sie auf ihre Erfolge blicken. Ein Jahr hatte sie schon praktisch in einem großen Krankenhause gearbeitet, und man rühmte ihr große Sicherheit und Tüchtigkeit nach. Mit vieler Liebe hingen die kranken Kleinen auf der Kinderstation an ihr, und großer Jubel herrschte unter ihnen, wenn die »gute Tante« kam — jedes wollte von ihr genommen und gepflegt sein.

Und es war wirklich wunderbar, wie das ernste Gesicht der jungen Ärztin sich aufhellte, wenn sie mit den Kleinen scherzte und ihnen gut zuredete. Welch weiche, linde Töne da ihre klare Stimme fand, welch’ Leuchten in ihre Augen trat — sie hatte dann wirklich etwas Unwiderstehliches an sich.