Ein helles Auflachen Adolfs unterbrach ihn. »Gnädiges Fräulein,« parodierte er, »mein Freund, das ist wohl nicht die rechte Anrede für so ein gelehrtes Haus.«
»Aber, so lasse doch, Adolf,« mahnte Beate, »ich bitte dich.«
Rolf von Hagendorf war rot geworden. »Pardon, Fräulein Doktor, ich war — ich hatte —,« stotterte er.
Freundlich gab sie ihm die Hand.
»Hören Sie nicht auf Adolf! Wie ich sehe, ist er noch immer der alte geblieben, dem es Spaß macht, seine Mitmenschen zu necken.«
»Na, Mutting, nun dürfen wir uns wohl erst den Reisestaub abschütteln, und dann gibts sicher etwas zu essen, ich muß gestehen, ich habe einen Mordshunger. Rolf übrigens auch! Und bei dir duftet es schon so verführerisch, so nach Rebhühnern mit Sektkraut; Fränze, das alte Faktotum, wird schon ihr möglichstes getan haben, wenn so hoher Besuch kommt!«
»Jawohl, Herr Oberleutnant.«
Die alte Köchin war soeben aus der Küche gekommen, den Sohn des Hauses zu begrüßen, und sie hatte die letzten Worte gehört. Sie wischte sich die Hände erst noch einmal an der Schürze ab, ehe sie ihre Rechte etwas zaghaft in die Hand Adolfs legte, der sie dann freundschaftlich auf die Schulter klopfte.
»Nicht wahr, Fränze, wir zwei beide, wir verstehen uns, was?«
»Na, und ob, Herr Ad..., Herr Oberleutnant« — sie strahlte über das ganze gute Gesicht! Er war doch immer noch derselbe geblieben, stets lustig und guter Dinge. Wie oft hatte sie ihn vor dem elterlichen Zorn und vor Strafe in Schutz genommen, wenn er als Junge Zuflucht bei ihr gesucht, und wie eine Henne ihre Küken schützt, so hatte sie ihn gegen den väterlichen Rohrstock verteidigt. Beate war ihr fremder geblieben; sie konnte es ihr nicht verzeihen, daß sie nicht heiraten wollte, besonders wo sie, Fränze, es doch für eine ausgemachte Sache gehalten, daß Beate und Scharfenbergs Georg mal ein Paar würden!