»Ach was! Larifari,« brummte er, »jeder vernünftige Mensch wird mir recht geben, wenn ich dir kurzerhand verbiete, zu studieren! Ich ärgere mich schon genug, daß ich dir nachgegeben habe darin, ein Gymnasium zu besuchen — wenn ich geahnt hätte —«
»Aber, Vaterchen,« unterbrach sie ihn in schmeichelndem Ton, »aber, Vaterchen, hat dich denn mein glänzend bestandenes Abiturium nicht gefreut?«
»Das wohl, Mädel, und ganz kolossal! Aber ich dachte, damit wäre der Unsinn endgültig vorüber.«
»Nein, jetzt soll es erst recht beginnen.« Sie breitete die Arme weit aus. »Ach, du glaubst nicht, wie ich mich darauf freue, weiter zu lernen!«
»Noch mehr lernen? Ich meine, du hättest gerade genug unnützes Zeug in deinen Kopf gepropft! — Was dir nun noch fehlt, das kannst du hier bei Mutter am besten lernen! Bekümmere dich jetzt mal um die Küche und das Haus — ich glaube, davon verstehst du weniger als ein zehnjähriges Mädchen!«
Beate lachte. »Da magst du schon recht haben, Vaterchen, aber dennoch verspüre ich zu derartigen prosaischen Beschäftigungen durchaus keine Lust — andernfalls würde ich schon schnell hinter die Geheimnisse von Mamas Walten und Wirken kommen! Denn was ich will, das kann ich auch.« Bei diesen Worten trat ein Ausdruck in ihr Gesicht, daß man nicht gut an deren Wahrheit zweifeln konnte.
Sie stand auf und legte schmeichelnd die Arme um den Hals des Vaters. Bittend sah sie ihn mit den schönen klugen Augen an. »Nicht wahr, alter Herr, du bist lieb und erfüllst mir meinen Herzenswunsch! Ach, du glaubst ja nicht, wie ich damit verwachsen bin — es würde für mich ein Aufgeben aller Lebensfreuden bedeuten, wenn du mir das verwehren wolltest!«
Sie zog ihn zu sich aufs Sofa. »Komm, setzen wir uns, und höre mir mal ruhig zu, wie ich mir so alles gedacht habe.«
Etwas ängstlich war Frau Rechtsanwalt Haßler, eine freundliche, sehr gütig blickende Dame, dem Wortgeplänkel des Gatten und der Tochter gefolgt. Sie saß am Fenster des Wohnzimmers mit einer feinen Handarbeit beschäftigt. Für sie war Beates Wunsch keine Überraschung mehr; denn am Morgen schon hatte das junge Mädchen zu ihr davongesprochen, und jetzt nach dem Nachmittagsschläfchen war auch dem Vater die Eröffnung darüber gemacht.
Die erste Aufregung und der erste Widerstand waren vorüber, und Beate sah, daß der Vater jetzt ihren Erklärungen zugänglicher war. Sie erfaßte deshalb ihren Vorteil. »Siehst du, alter Herr. Du kannst doch nichts dagegen haben — als Jurist weißt du genau, daß du gar keine stichhaltigen Gründe hast, mich zurückzuhalten! — Ja, wenn ich mich zu dem Studium der Rechtswissenschaft entschlossen hätte, könnte ich das begreifen, denn Konkurrenz läßt man nicht gern neben sich aufkommen.«