»Ich kann es wirklich noch nicht bestimmen! Sie werden durch Otto Bescheid bekommen, Herr von Hagendorf,« meinte sie leichthin, dann blickte sie sich suchend um. »Ach, Ihr Bubi ist nicht mehr hier — schade, ich hätte das goldene Kerlchen gern noch mal gesehen — nun, komm, Ilse, sonst wird es zu spät!«
Sie reichte ihm die Hand, die er mit feurigem Druck an seinen Mund führte. »Auf Wiedersehen, Herr Oberleutnant!«
»Das war also die berühmte, schöne Doktor Beate Hagendorf,« meinte Viola zu ihrer Schwester, als sie heimgingen, »so ein Bildungsprotz, einfach gräßlich! Sie ist genau so langweilig und feierlich wie ihr Name. Beate, da muß ich an meine Großmutter denken! Sie paßt nicht im geringsten zu dem Mann.«
»Nein, da hast du recht. Siehst du, liebe Viola, den hatte ich für dich im Sinn,« entgegnete Ilse, »wenn du vor zwei Jahren auf meine dringliche Einladung gekommen wärst, könntest du Frau von Hagendorf sein. Ich hatte mir schon alles so schön gedacht und ihm von dir vorgeschwärmt. Aber die Reise nach Budapest war dir damals wichtiger, und doch hast du nicht erreicht, daß du die Gräfin Hohenfels geworden bist!«
Ein böses Licht glimmte in Violas Augen auf, und ein Zug trat in ihr Gesicht, der es recht gewöhnlich aussehen ließ.
»Und wer trägt daran die Schuld? Du! Ihr! weil Papa notwendig die großen Zahlungen für euch leisten mußte,« sagte sie heftig. »Du hast stets das meiste Geld bekommen, und ich habe das Nachsehen gehabt! Was ist für mich denn aus dem Gutsverkauf übrig geblieben?« Sie schnippte mit den Fingern. »So gut wie nichts, alles ihr, und was wird aus mir?«
»Ereifere dich doch nicht, Viola«, begütigte die andere, »es war doch nichts anderes zu machen. Papa hat ebenfalls viel Schuld mit an allem! Doch laß uns nicht mehr darüber reden; es hat keinen Zweck mehr! Übrigens brauchst du dich nicht um deine Zukunft zu sorgen; du hast hier die besten Chancen, unterzukommen — da ist z. B. der lange Plessow, der ist toll verliebt in dich, sagt Otto, fabelhaft reich dabei — eine bessere Partie könntest du gar nicht machen!«
»Ach, geh’ mir mit dem«, meinte die Schwester geringschätzig, »der ist ja wie Milchsuppe! Da ist mir Hagendorf doch lieber, in dem steckt Rasse, Temperament.«
»Aber Viola, was redest du da! Er ist doch verheiratet, und ein Flirten mit ihm hat gar keinen Zweck.«
»Und warum nicht? Schon um seine famose Frau zu ärgern, die mir mit ihrem Vortrag über ihr Studentenleben verschiedene Stiche versetzt hat; na, ich hätt’s anders gemacht! Himmel, der Mann muß doch bei so viel Gelehrsamkeit Angst bekommen! Sie hatte wohl viel Geld?«