»Ja, das wohl! Doch hat er nicht nötig gehabt, darauf zu sehen, da er selbst reich ist! Ich gebe dir nochmals den guten Rat, Viola, sei vorsichtig.«

»Ja, ja, du kannst überzeugt sein, daß ich trotz allem meinen Vorteil nicht aus dem Auge lasse; den langen Plessow kann ich jetzt schon um den Finger wickeln, der ist mir sicher, deshalb will ich mich noch amüsieren! — Übrigens, die Hagendorf hatte einen schicken Schlafrock an, wo kauft sie? Hier doch nicht.«

»Nein, sie bezieht durch Vermittlung der Berthold, ihrer Busenfreundin, sämtliche Garderobe aus Wien.«

»Ach, die lange Bohnenstange mit ihren ewigen Reformkleidern? Na, die beiden passen ja zusammen!« Sie schüttelte den Kopf. »Wie kann nur ein Mann wie Hagendorf an der Frau Gefallen finden, die ihn sicher den ganzen Tag mit ihrer Gelehrsamkeit langweilt. »Fräulein Doktor«, sie konnte nur bei ihrem Berufe bleiben.«

»Das sage ich auch! Immer sucht sie zu imponieren — sie will alles besser wissen.«

»Nur das eine weiß sie nicht, wie man einen Mann fesselt.« Bei diesen Worten lächelte Viola vor sich hin. Ihre Schwester sah sie von der Seite an; welche Gedanken mochten da in diesem kapriziösen Köpfchen spuken? Ilse konnte aus ihr nie klug werden.


6.

Als Rolf Hagendorf ins Zimmer zu seiner Frau zurückkehrte, fand er sie mit geschlossenen Augen auf der Chaiselongue liegen, bleich und abgespannt aussehend. Mit forschendem Blick betrachtete er sie. Weiß Gott, die Malten hatte recht, ihm war das nur nicht so aufgefallen; Beate war sichtlich alt geworden; von der Nase zum Mund zogen sich zwei scharfe Falten, die ihr einen alten, leidenden Zug gaben, und die Hände, die schönen, schlanken, weißen Hände, die er früher so oft in seiner Verliebtheit geküßt, wie waren sie mager und gelb geworden; doppelt hob sich das von der dunkelseidenen Decke ab, auf der sie nervös hin und her glitten. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn. Wie hatte er die Schönheit seiner Frau geliebt, wie war er stolz darauf gewesen! Er dachte nicht daran, daß sie noch zu leidend war, um schon wieder so gut wie früher auszusehen, und unwillkürlich drängte sich Violas lebensvolles Bild in seine Vorstellung.

Beate hob die Wimpern und sah ihn an; es war, als hätte sie den Blick seiner Augen gefühlt. Kosend strich er über ihr Gesicht. »Na, Maus, nun ist das auch überstanden! Recht, daß du dich ein wenig gelegt hast«, meinte er leichthin.