»Auch wenn der ein schlechter war?« fragte er leise.

»Ja, immer!« sagte sie einfach. Aber ihre Stimme klang traurig, und ihre Augen blickten trübe vor sich hin.


8.

Ein trüber Novembertag. Es wollte nicht hell werden; grau und undurchdringlich hing der Himmel über der herbstlichen Erde, und ein feuchter Nebel ging nieder. Es war ein Wetter zum Traurigwerden, das sensible Naturen drückte und ängstigte.

Beate fröstelte. Ein unbestimmtes Gefühl der Angst und Sorge erfüllte sie; eine innere Unrast trieb sie von einem Zimmer ins andere, kaum, daß sie bei ihrem Kinde Ruhe fand. Sie konnte sich diesen Zustand nicht erklären, der ihr sonst fremd war. Vielleicht ließen die Ereignisse der letzten Tage sie so nervös sein.

»Herr Oberleutnant Haßler!« meldete der Diener, sie im Kinderzimmer aufsuchend. Verwundert blickte sie auf und ging ins Wohnzimmer, in dem der Bruder ihrer harrte. Er stand am Fenster und hatte ihr den Rücken zugedreht.

»Guten Morgen, Adolf. Was führt dich so früh schon zu mir?«

Langsam wandte er sich ihr zu, und sie blickte in ein tiefernstes Männerangesicht, aus dem jede Spur fröhlichen Humors hinweggewischt war. »Morgen, Bea!« Und er preßte fast heftig ihre Hand.

»Adolf!« rief sie da erschreckt, »du siehst aus wie jemand, der nichts Gutes bringt.«