Mit leichtem Vorwurf in der Stimme wandte sich da Malten zu ihr. »Wir haben dich schon überall gesucht, Viola! Es ist gleich zwölf Uhr. Eure Verlobung soll jetzt bekannt gegeben werden, und zwar will der Kommandeur das selbst tun — und die Hauptperson fehlt!«

Er war sehr erregt über den vorangegangenen Auftritt, der aber die beiden andern gar nicht weiter zu rühren schien. Wie ein Schmeichelkätzchen schmiegte sich Viola an den Verlobten, um ihn schnell darüber wegzubringen. Sie wollte unnütze Fragen vermeiden, und der lange Plessow war zu verliebt, um von ihrer Zärtlichkeit nicht beglückt zu sein.

Unmutig entgegnete sie ihrem Schwager: »Hat dir denn Ilse nicht gesagt, daß ich mir Frau Bertholds Geburtstagstisch ansehen wollte? Sie war doch mit oben — und ich war eben im Begriff zu gehen, als Hagendorf kam. Ich kann doch nichts dafür —«, auf keinen Fall durfte es den Anschein haben, als ob ihr Zusammensein mit Hagendorf doch nicht ganz so zufällig war.

»Er soll es mir büßen, daß er dich in solcher Weise belästigt hat,« sagte Plessow ingrimmig. »Längst hat es mich verdrossen, daß er wie dein Schatten war. Ich werde ihm einen gehörigen Denkzettel geben. Nun komm, damit unser Fernbleiben nicht auffällt.« Er zog ihren Arm durch den seinen und sie begaben sich zu der Gesellschaft zurück, ohne daß sie nur ein Wort der Angst und Sorge äußerte, wie das Duell wohl für den Verlobten ausfallen würde.

Wie vorauszusehen war, hatte das Bekanntgeben der Verlobung Viola Düsings mit Philipp v. Plessow ungeheures Aufsehen erregt. Lächelnd stand das Brautpaar da und nahm die Glückwünsche der Anwesenden entgegen. Unwillkürlich mußte Beate zu dem Gatten hinübersehen, der mit düster glühenden Augen dastand, und sie bemerkte, daß viele das gleiche taten.

Wie mußte seine Eitelkeit leiden unter dem Gaffen der Menge, die um seine Vorliebe für jenes kokette, kaltherzige Mädchen gewußt, das nun so siegessicher seinen letzten Trumpf ausgespielt, ihn damit wirklich dem spöttischen Mitleid der anderen preisgebend! Und das große Erbarmen ihrer echten, edlen Weibesnatur erwachte. Sie vergaß, was er ihr angetan, sie fühlte nur, daß ein längeres Verweilen für ihn unerhörte Qual bedeuten mußte, wenn es auch klüger war. Aber so wurde geredet und so auch; da blieb es sich schließlich gleich.

Sobald es möglich war, verließen sie unauffällig die Gesellschaft, und Martina hielt sie auch nicht zurück, es war ihr selbst lieber so.

Rolf war seiner Frau von Herzen dankbar, daß sie ihm die Gelegenheit dazu gegeben, ihm in ihrer feinfühligen, verstehenden Art entgegenkam. Ihre Worte über Viola fielen ihm ein. Wie hatte sie recht in ihrem Urteil gehabt, und eine tiefe Scham erfüllte ihn, daß er um ein solches Geschöpf sein hochherziges Weib vernachlässigte, und die Erkenntnis tauchte in ihm auf, spät genug freilich, was er in seinem Leichtsinn aufgegeben.

In plötzlicher Aufwallung küßte er die Hand seiner Frau. »Beate, ich danke dir,« sagte er gepreßt.

»Warum? ein guter Kamerad soll dem andern immer helfen.«