»Und ich frage Sie, Herr von Plessow, mit welchem Recht Sie sich in meine Angelegenheiten mischen.«
Rolf war auf das äußerste durch die herausfordernde Art des andern gereizt. Die Adern schwollen dick an auf seiner Stirn. Er biß die Zähne zusammen und ballte die Hände. Der reichlich genossene, schwere Wein machte sich bei beiden geltend, und dazu kam noch die gegenseitige Abneigung.
Plessow lächelte höhnisch. »Erstens mit dem Recht, jeder von einem Aufdringlichen belästigten Dame zu Hilfe zu kommen —«
»Herr —« fuhr da Hagendorf auf. »Sie werden unverschämt.« Er hatte alle Besinnung verloren und machte eine Bewegung, als wolle er sich auf den andern losstürzen.
»Meine Herren, ich bitte — um Gotteswillen,« rief Malten aufs höchste erschrocken aus, indem er zwischen die beiden trat — »Mäßigung!«
Aber es war zu spät. Plessow sagte kalt: »Sie werden mir für Ihre Worte Genugtuung geben.« Zustimmend, mit kurzer, knapper Verbeugung verneigte sich Rolf. Ehe er aber etwas sagen konnte, fuhr der andere fort:
— »Und zweitens habe ich doch wohl das Recht, meine — Braut gegen Sie zu schützen.« Dabei legte er seinen Arm um das Mädchen.
Wie vom Blitz getroffen stand Rolf da. Er war kreidebleich geworden, und seine Züge hatten sich förmlich verzerrt, zu jäh und niederschmetternd war ihm die Eröffnung gekommen. Er warf einen langen, unbeschreiblichen Blick auf Viola. Ein neugieriges, grausames Lächeln spielte um ihren üppigen Mund, und in ihren Augen glitzerte ein kaltes Licht, während sie sich an ihren Verlobten lehnte und mit den roten Nelken an ihrem Kleide spielte. Sie hatte jetzt ihre Sensation!
»Ich werde meinen Schwager, Herrn Oberleutnant Haßler, beauftragen, das Weitere zu verhandeln. Ich stehe jederzeit und in jeder Weise zu Diensten.«
Er hatte seine Selbstbeherrschung wiedergefunden. Stolz richtete er sich auf, grüßte steif und ging festen Schrittes hinaus, ohne Viola noch eines Blickes zu würdigen.