Alle diese Gedanken flogen durch ihren Kopf, als sie abwehrend sagte: »Herr von Hagendorf, ich darf Sie nicht hören, nein —« und doch lauschte sie seinem heißen Werben; sie duldete, daß er seinen Arm um ihre Taille legte und blickte ihn an, süß und verheißend, ihm dadurch das letzte Restchen Besinnung raubend. Wild preßte er sie an sich.

»Viola, holdes, berauschendes Mädchen —« und seine Lippen suchten ihren Mund in heißem Kusse, den sie ihm ebenso zurückgab. Da überschüttete er sie mit seinen Liebkosungen.

»Nein, nein, lassen Sie mich —« es war, als erwache sie aus ihrer Selbstvergessenheit — sie suchte sich jetzt aus seinen Armen zu befreien, doch er umschlang sie fester. Sie stemmte ihre Hände gegen seine Brust.

»Noch einmal sage ich, lassen Sie mich, oder ich rufe.«

Die Situation würde sonst noch gefährlich für sie, — nun war es genug — ihr Triumphgefühl war gesättigt, ihre Macht genügend erprobt! Da hörte sie jetzt auch Schritte und sah, wie die Tür sich öffnete.

»Ist denn niemand, der mich von dem Wahnwitzigen befreit?« rief sie halblaut, daß die soeben Eintretenden es hören mußten.

In diesem Augenblick erkannte sie in ihnen Malten und Plessow. Mit einem letzten Kraftaufwand stieß sie Rolf zurück und flog auf die beiden zu, die wie erstarrt dastanden.

Violas Augen füllten sich mit Tränen, und ihr Atem ging heftig. »Was ist das?« fragte Plessow herrisch.

Malten schwieg; er sah seine Schwägerin nur mit einem eigentümlichen Blick an. Da er sie sehr genau kannte, wußte er sich die Sachlage recht gut zusammenzureimen.

»Nun, Herr von Hagendorf, weshalb bleiben Sie mir die Antwort schuldig?«