Beate stöhnte auf. Daher auch sein verändertes weiches Wesen gestern, das sie an die erste Zeit ihrer jungen Ehe erinnerte!

»Man wird ihn sogleich bringen; ich bin vorausgeeilt. — Mut, meine starke Schwester!«

»Er ist tot!« schrie sie da auf. »Verhehle mir nichts!«

»Nein, nein, Beate, aber schwer verwundet. So hat es Plessow doch nicht gewollt.«

Sie raffte sich auf, und mit Adolfs Hilfe richtete sie schnell das Nötigste her zum Empfange des Kranken. Der Wagen hielt, der ihn brachte. Ganz behutsam trug man Rolf ins Haus und legte ihn auf sein Bett.

Er hatte die Augen geschlossen und röchelte leise. Mit Jammer im Herzen sah Beate auf den todwunden Gatten und beobachtete den Arzt, der sich um ihn bemühte. »Kann ich Ihnen helfen?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, nichts. Wenn wir nur die Kugel finden könnten.«

Sein Gesicht war tiefernst. Er wußte es, daß keine Hoffnung war, den Verwundeten am Leben zu erhalten, und auch Beate sah mit ihrem geübten Auge, daß er auf den Tod darniederlag. Für sie gab es nicht die tröstende Ungewißheit, es kann doch noch besser werden — ein Wunder kann kommen, sie mußte der grausamen Gewißheit ins Auge sehen: seine Stunden sind gezählt! Denn dieser Schuß durch die Brust mußte durchaus tödlich sein. Und sie konnte ihm nur noch sein Sterben erleichtern.

Fast übermenschlich bezwang sie sich. Klagen und Weinen hatten keinen Zweck. Die Augen brannten ihr von zurückgehaltenen Tränen, und das Mitleid, den so lebensvollen Mann so vor sich zu sehen, ein Bild des Jammers, drohte ihr das Herz zu brechen. Mit linder Hand schaffte sie ihm die Erleichterungen, die er noch haben konnte. Sie wischte ihm den Schweiß von der Stirn und achtete angstvoll auf jede Bewegung.

Der Stabsarzt sah, daß er hier überflüssig war. Sein Patient war ja in den besten Händen. »Ich gehe, gnädige Frau. Sollten Sie mich nötig haben, dann telephonieren Sie, bitte,« sagte er leise.