Er ging.

Auf der Treppe öffnete er das Schächtelchen. Ein winziges, rosagekleidetes Püppchen mit einer langen seidenen Schleppe lag darin.

Wie versteinert blieb Sibylle vor ihren Puppen stehen, dann brach sie in ein leises, trostloses Weinen aus. Bittend und demütig trat sie den Puppen näher.

»Er will nicht euer König sein – ich kann nichts dafür,« sagte sie gepreßt. »Und ich weiß wohl, daß ich nun auch nicht mehr Königin sein darf, weil ich ihm das Geheimnis gesagt habe. Die weiße schöne Frau im Traum hatte es mir ja verboten. Nun ist's zu spät. Verzeiht mir und lebt wohl!«

Das Puppenreich hatte seine kleine Königin auf immer verloren. – –

Die Obstbäume standen in Blüte. Baum an Baum reihten sich die schneebedeckten Kuppeln. Ein leichter Wind fuhr durch die weißen Wipfel und wehte die Blütenblätter ins Gras.

Sibylle stand unter den Kirschbäumen und fing die Blüten in ihrem Kleide auf, das sie wie ein Schürzchen hochhielt. Blüten über Blüten fielen über sie hin, blieben in ihrem Haar hängen und rieselten leicht zur Erde nieder.

Graf Theodor stand am Fenster und schmunzelte. »Sieh nur, Gerda,« sagte er, »ist das nicht ein hübsches Bild?«

Langsam kam die Gräfin herbei und lehnte sich an ihren Gatten.