18. Kapitel.
Die Erlebnisse des Ausreißers.
Prescott hatte eben Percys Geld eingesteckt und die Photographien zerrissen und wollte dessen Briefschaften das Gleiche widerfahren lassen, als das unerwartete Eintreten Kennys seinem Rachewerke ein plötzliches Ende bereitete.
Aus dem Studiersaal schlich er sich unbemerkt in den Garten, und es gelang ihm schließlich, durch ein Loch der Hecke, welche das Gebiet des Pensionates umfriedigte, zu entschlüpfen. Dann schlug er die Richtung nach Sykesville ein, indem er sich stets in der Nähe des Bahndammes hielt, der dorthin führte.
P. Middleton hatte ganz recht geahnt. Prescott fiel es nicht ein, den Zug zu nehmen oder sich vor Sykesville von irgend einem Sterblichen erblicken zu lassen. Er wollte erst eine beträchtliche Strecke zwischen sich und das Pensionat bringen und dann im Freien einen wenn auch noch so mangelhaften Unterschlupf ausfindig machen.
Er eilte ganz in ähnlicher Weise dahin, wie einige Stunden früher Percy. Eine Zeitlang lief er, ging langsam, bis er wieder bei Atem war, um abermals aus Leibeskräften zu rennen. Doch wie verschieden waren bei dieser äußeren Ähnlichkeit die inneren Beweggründe!
Alles war wohl überlegt. Allein an eines hatte der schlaue Dieb nicht gedacht: er hatte vergessen, seinen Überrock mitzunehmen. Jetzt merkte er, wie er durch das Laufen und schnelle Gehen sich immer mehr erhitzte, und daß die kalte Nacht ihm infolgedessen recht gefährlich werden könnte.
Noch eines hatte er außer acht gelassen: sein schlechtes Leben. Das Kleid, das die Seele schützt und warm hält, das gute Gewissen, besaß er nicht. Die schnell zunehmende Dunkelheit, die Stille der schwindenden Landschaft, die nur von dem Brausen des kalten Nordwindes unterbrochen wurde, erfüllten ihn mit trüben Ahnungen und weckten in seinem schuldbeladenen Herzen das Vorgefühl eines nahen Unglücks.