Zugleich brachte er sein Gaunergesicht nahe vor Prescotts Antlitz und stierte ihn forschend an.
„Ich bin ein Waisenknabe und habe weder Vater noch Mutter,“ sprach Prescott, der sich von seinem Schrecken soweit erholt hatte, daß er wieder lügen konnte. „Ich bin ganz arm und suche nach Arbeit, um etwas zu verdienen. Es wurde mir so kalt; deshalb dachte ich, ich könnte hier wohl schlafen. Aber ich will gern weiter gehen, wenn Sie es wünschen.“
„Jack, was heißen ein Waisenknabe? Heißen es ein Mann von die Polißei?“
So unverständig diese Frage auch war, sie ließ den Gefangenen am ganzen Leibe erzittern. Er sah sich in der Gewalt von Leuten, die zu jeder Missethat fähig waren, die im Himmel und auf Erden nichts kannten, was ihrer Verbrecherlust Schranken setze, als die Polizei.
„Ein Waisenknabe, Du verbummelter Garibaldianer, ist ein Junge, dessen Eltern tot sind. Er hat’s Dir ja selbst gesagt.“
„Nickt schimpfen, Jack! Dies Junge haben bestohlen mich letztes Sommer. Ick sein Gesickt kenne.“
Prescott machte jetzt abermals eine verzweifelte Anstrengung, sich den Händen des Italieners zu entwinden; denn derselbe fing schon ohne Umstände an, seine Taschen zu untersuchen. Ein heftiger Schlag, den ihm der Amerikaner ins Gesicht gab, zeigte ihm die Vergeblichkeit seiner Mühe.
„Du kleiner Teufel! Wenn Du Dich noch einmal rührst oder den geringsten Laut von Dir giebst, drehen wir Dir den Hals um.“
Dann wühlten beide in den Taschen des Wehrlosen herum, unbekümmert um die Thränen der Angst und des Schmerzes, welche ihm die Wangen herabflossen.
„Ha, ich hab’s!“ rief der Amerikaner. „Du Lügner! Ich glaubte schon halb, Du hättest wirklich kein Geld. — Wahrhaftig! Der Flegel ist reicher als ein Lord.“