„Was viel?“ fragte der Diebsgesell, und seine schwarzen Augen blitzten.

„Dreizehn — vierzehn — fünfzehn Dollars! Nun, mein wertester Herr, überlassen wir Ihnen sehr gern die Heustöcke, ich den meinen für siebeneinhalb Dollar und mein Freund den seinen um den gleichen Preis. Es ist ein ganz billiges Unterkommen.“

Prescott schluchzte in hilflosem Zorne.

„Ah, und sein Uhr! Ick habe es! O, es ist schön, es ist wert swansick Dollars. — O Sie lieblick armes Waisenknabe, wir binden Sie jetzt Händkens und Füßkens zusammen, daß Sie können schlafen fester.“

„O binden Sie mich doch nicht! Ich will Sie ganz gewiß nicht verraten. Darauf will ich Ihnen einen Eid schwören. Lassen Sie mich nur gleich niederknieen.“

„Versprich nur, was Du willst, Du Lügner. Wir sorgen, daß Du Dein Wort hältst,“ versetzte der Amerikaner und stopfte Prescott ein schmutziges Tuch in den Mund. „Wir schieben Dich aber nicht unter das Heu; da fände man Dich vor dem nächsten Frühjahr nicht. Hier draußen bemerkt Dich schon eher eine Menschenseele. Es ist freilich ein wenig kalt; aber was können wir dafür? Wir haben ja das Wetter nicht gemacht. Später darfst Du dann alles erzählen, wozu Du Lust hast. — Jetzt gute Nacht! angenehme Ruhe!“

Mit diesem Spott entfernten sich die herzlosen Bösewichter und überließen den gebundenen Prescott der schneidenden Kälte, der düstern Nacht und — seinen eigenen Gedanken.

Seinen eigenen Gedanken! Gedanken an ein mißbrauchtes Leben, Erinnerungen an zahlreiche Sünden, Aussicht auf einen frühen, schrecklichen, einsamen Tod und das strenge Gericht eines Gottes, dessen Gnade er trotz seiner Jugend schon so oft geringgeschätzt hatte. Er sah schon die Teufel in der Nähe erscheinen, um seine Seele in den Abgrund zu zerren. Tropfen von Schweiß, von Todesschweiß traten auf seine Stirne, als Sünde um Sünde in ihrer ganzen unverhüllten Häßlichkeit sich dem Auge seines Geistes darstellte. Ja, manche seiner Vergehen, die an sich nicht so schwer waren, malte ihm der Teufel, dessen liebste Augenweide die Verzweiflung der Menschen ist, zu wahren Greuelthaten aus. Was Wunder, daß er immer schwächer und schwächer sich gegen die Einflüsterung wehrte, als ob für ihn keine Hoffnung mehr sei, als ob alles vorüber und er schon jetzt lebendig zur Hölle verdammt sei.

Doch auch eine andere Erinnerung erhob sich auf dem sturmbewegten Meere seiner Gedanken. Hatte nicht vor ein paar Tagen P. Middleton so eindringlich und ergreifend von der unendlichen Güte Gottes geredet? Damals hatten seine Worte Prescott freilich wenig gerührt; allein jetzt, da er ihrer bedurfte, da herbe, herbe Not sein Herz empfänglicher machte, kehrten sie so klar vor seine Seele zurück, als durchlebte er jene Stunde noch einmal.

P. Middleton hatte zuerst ein paar Worte der Wiederholung über die vollkommene Reue gesprochen, daß sie nämlich stets, auch ohne die Beichte, sofort die Sünden tilgt, daß man aber nachher die verziehenen Sünden beichten muß, wenn man Gelegenheit hat.