„Es ist also,“ schloß er, „die vollkommene Reue ein Mittel, das jeder Mensch zu jeder Stunde anwenden kann, um in den Stand der Gnade Gottes zu kommen, ein Mittel, das uns durch keine Macht entrissen wird. Ich möchte, daß Euch diese Wahrheit sehr klar würde und klar bliebe, damit Ihr sie in der Not anwenden könnet.“

„Angenommen — Riddel — Du hättest, seit Du den Gebrauch der Vernunft besitzest, stets in Sünden gelebt, keine wäre Dir vergeben, alle Deine Beichten wären gottesräuberisch gewesen. Nun erführest Du plötzlich, Du müßtest jetzt gleich hier in diesem Schulzimmer sterben. Würdest Du verzweifeln?“

„O nein, Pater. Ich bäte die Mutter Gottes, mir zu einem recht guten Akte der vollkommenen Reue zu helfen, und dann spräche ich von Herzen: ‚O mein Gott, alle meine Sünden bereue ich, weil ich Deine große Güte und Liebe beleidigt habe.‘ Nach diesen Worten überließe ich mich mit Vertrauen der Barmherzigkeit Gottes.“

„Aber — Forps — angenommen, Du hättest in Deinem ganzen Leben nie das geringste gute Werk gethan, dagegen lasteten alle Sünden, die von allen Knaben der Welt je begangen sind, auf Deinem Gewissen: was thätest Du, wenn es hieße, Du müßtest jetzt sofort sterben?“

„Ich erweckte einen Akt der vollkommenen Reue und vertraute auf die unendliche Kraft des Blutes Christi.“

„Whyte — ich will den Fall noch schwieriger machen. Mit all jenen Sünden auf Deiner Seele befindest Du Dich allein, verlassen, mitten auf dem Meere. Kein Priester ist da, der Dich absolvieren, kein Freund, der mit Dir beten könnte, und Du siehst voraus, daß Du in zwei Minuten versinken wirst.“

Whyte antwortete mit großer Zuversicht, die unwillkürlich aus den Worten des Lehrers in die seinigen übergegangen war:

„Ich würde doch mit Gottes Gnade einen Akt der vollkommenen Reue erwecken, wenn auch noch so kurz. Dann wollte ich untersinken, als sänke ich in die Arme Gottes; denn er ist überall.“

„Eine schöne Antwort, Whyte! — Aber — Quip — nimm an, Gott ließe Dich zur Strafe für so viele Sünden in eine abscheuliche Krankheit fallen. Infolgedessen treiben Dich Deine Verwandten fort in eine Wildnis. Da liegst Du hilflos am Sterben. Man sendet Dir noch einen Priester, aber von Schauder ergriffen vergißt er, was seine Pflicht gebietet, wendet sich ab von Dir und ruft laut, Gott habe Dich schon unwiderruflich verdammt. Würdest Du dann verzweifeln?“

„Nein, mit Gottes Gnade würde ich nicht verzweifeln.“