„Gieb mir den Winter, laß schneien knietief!
Wecke den Nordwind, den kalten, der schlief!
Es decke der See sich mit blankem Kristall!
Und dann ein noch blankeres Paar Schlittschuhe! Hurra! Dann fliegen wir, daß der Wind in den Haaren zischt, über die tönende Bahn! Das nenne ich Spaß!“
„Und ich,“ nahm Donnel das Wort, „ich wünsche mir eine Schlittenbahn, glatt wie aus Diamant und hoch wie ein Berg, mit einem Handschlitten vom besten Stahl. Dann sollte es hinuntergehen, daß jedem, der es sieht, das Blut erstarren möchte, und daß ich wie der Blitz noch dahinschieße, soweit man sehen kann. — Ich vergesse auch nie, wie ich einmal mit meinem Vater eine längere Schlittenpartie machte. Besonders zur Nachtzeit war es unbeschreiblich schön. Die Sterne flimmerten und funkelten so hell wie nie im Sommer, der Mond goß ein feenhaftes Licht über die schneeschimmernde Landschaft, jeder Strauch starrte einen ganz geisterhaft unter seiner Schneekapuze an. Wenn dann der leichte Schlitten, von flinken Rossen gezogen, unter Schellengeklingel über die Straße flog — o, ich sage Euch, das war entzückend.“
Dieses Gespräch zeigte, daß Donnel so gut wie Keenan der Klasse, der sie angehörten und die nach altem Brauch noch den Namen ‚Poesieklasse‘ trug, alle Ehre machten. Percy war freilich noch kein ‚Poet‘; allein seine Ideenwelt war nicht minder reich als die seiner älteren Freunde.
„Die Schönheit einer solchen Nacht,“ sprach er, „ist mir auch oft zum Bewußtsein gekommen. Freilich ist es ein Gedanke anderer Art, welcher der Winternacht für mich einen besonderen, aber lieblichen Reiz verleiht, nämlich die Erinnerung an die erste Weihnachtsnacht zu Bethlehem. Die Sterne erinnern mich dann immer an den Stern, der die heiligen drei Könige führte.“
„Nicht übel, Percy,“ lobte Donnel. „Das ist auch mir ein sehr lieber Gedanke; nur kann ich ihn nicht gerade so schön aussprechen wie Du. — Ich glaube übrigens wirklich, daß unter allen Menschen wir Knaben den meisten Grund haben, uns auf den Winter zu freuen und den bärbeißigen Alten mit den Eiszapfen im Bart und dem Nebelatem willkommen zu heißen. Er bringt uns ja Weihnachten mit all der Liebe und Freude, die wir von Gott und von unsern guten Eltern nur immer erwarten können.“
„Da fällt mir gerade,“ nahm Keenan das Wort, „die Ode von Horaz ein, die wir letzte Woche gelesen: ‚Vides, ut alta stet nive candidum Soracte.‘ Das ist gewiß ein schönes Gedicht; ich habe es mit großem Vergnügen gelesen. Allein von einer Freude am Winter, wie wir sie uns zu besitzen rühmen, ist doch darin keine Rede. Hätte Horaz etwas von Christus gewußt, welch herrliche Werke hätte er schaffen können! Gerade das Winterfest Weihnachten ist ja der schönste Gegenstand für die Dichtkunst.“
„O,“ rief Percy begeistert, „das sieht man so deutlich an Miltons Hymne auf Christi Geburt, die ich, obgleich ich sie nicht ganz verstehe, so gern habe.“