Ryan und Zieler sind den Lesern der früheren Erzählung schon bekannt. Gehörten sie doch zu jenen neun Helden, deren sich vor zwei Jahren Tom Playfair so meisterhaft zu erwehren wußte.
Auch Donnel rief ihnen jetzt aus Leibeskräften zu; allein vergebens, sie waren noch zu weit.
Da ertönte ein lauter, schriller Pfiff. Percy hatte nämlich P. Middletons Pfeife als Andenken an sein Prärie-Abenteuer zurückbehalten, so daß sie jetzt abermals ihm und zweien seiner Freunde zu statten kommen konnte.
Ryan und Zieler wandten sich um. Mit einem Blick hatten sie die Lage überschaut und stürmten mit beflügelter Eile heran.
Ihr bloßes Erscheinen war genug. Man sah ihnen schon von ferne an, daß sie wohl im stande waren, Lektionen zu erteilen, die in keinem Buche der Welt geschrieben standen. Sobald sie deshalb erkennbar wurden, ergriff die nachjagende Bubenschaft sofort das Hasenpanier, ohne den geringsten Versuch der Gegenwehr zu machen.
Besonders Ryan war Ursache ihrer Furcht. Die mächtige, vierschrötige Gestalt, die erst im Rohbau fertig zu sein schien, und sein bärbeißiges Gesicht waren allerdings wohl geeignet, auch einem Beherzten Angst einzuflößen. Ryan hatte, zehn Jahre alt, als ein lebendiges, nicht gerade lenksames Bürschlein, seinen Einzug in Maurach gehalten und während der ersten Jahre in beständigem Krieg mit Professoren und Präfekten gelebt. Nur langsam war es ihm gelungen, die unbändige Kraft seiner Natur ins rechte Geleise zu bringen. Am schnellsten hatte er noch die Professoren befriedigt, wenigstens nachdem er das Stillsitzen in der Klasse in etwa begriffen; Ryan war nämlich bei weitem nicht so dumm, als er aussah. Seit mehreren Jahren jedoch stand es mit ihm ganz anders. Ryan galt mit vollem Recht als tadelloser, vertrauenswürdiger Zögling und wurde von allen Kameraden wegen seiner Gefälligkeit, die sich hie und da sogar als Gutherzigkeit äußerte, hochgeschätzt und geliebt. Sein Äußeres ließ allerdings gerade diese Eigenschaften am wenigsten vermuten. Im Gegenteil, die Rolle von Räuberhauptmännern, Christenverfolgern und andern Wüterichen war bei den theatralischen Darstellungen sein gewöhnlicher Anteil, und stets lohnte der beste Erfolg die geringe, von ihm aufgewandte Mühe.
Auf der Brücke angelangt, machten die Flüchtlinge Halt.
„Am Ende sind doch sie noch davongelaufen, nicht wir,“ sprach Keenan mit Befriedigung.
Percy hatte gleich eine Dichterstelle zur Hand:
„‚Der bess’re Teil der Tapferkeit ist Vorsicht‘, sagte Falstaff, als er sich tot gestellt hatte.“