Hochwürdiger Herr P. Rektor!
Hochgeehrter Herr!
Unabweisbare Geschäfte machen es mir unmöglich, einer sehr dringenden Pflicht, die ich seit gestern gegen mehrere Mitglieder Ihrer geschätzten Anstalt habe, persönlich zu entsprechen.
Ich bin der unglückliche Vater jenes Betrunkenen, der gestern von einem Ihrer Zöglinge und dessen zwei Freunden in so aufopfernder Weise vor Insulten geschützt wurde. Nicht ohne ein bitteres Gefühl der Scham schreibe ich diese Zeilen nieder. Deshalb ist jedoch meine Dankbarkeit gegen jene drei vortrefflichen Knaben nur um so größer, da sie mir durch ihre edle That wenigstens einen Teil der Schande erspart haben. Weil ich nun ihre Namen nicht weiß, so ersuche ich Sie, Hochwürdiger, hochverehrter Herr P. Rektor, an ihrer Stelle meinen tiefgefühlten Dank entgegennehmen und ihnen übermitteln zu wollen. Der beste Teil meiner Erkenntlichkeit gebührt ohne Zweifel demjenigen unter ihnen, der von meinem kleinen Frank, dem Zeugen der Schande seines Bruders, als der kleinste bezeichnet wird. Er scheint nach Franks Erzählung wirklich der Hauptfaktor gewesen zu sein. Sobald meine Geschäfte es gestatten, werde ich mir die Ehre nehmen, selbst in Ihrer Anstalt vorzusprechen und dem kleinen Helden, sowie dessen Freunden persönlich zu danken.
Zugleich gestehe ich, daß durch den gestrigen Vorfall meine Ansichten über Ihre Anstalt sich ganz wesentlich geändert haben. Ich bitte um gütige Zusendung eines Programmes, da mir sehr daran liegt, das Pensionat noch näher kennen zu lernen.
Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung verbleibe ich
Ew. Hochwürden ergebenster
Arnold Marschall.
Der Name Marschall kam dem Rektor nicht ganz unerwartet. Dieser reiche Geschäftsmann hatte nämlich zwei Söhne, welche allenfalls die ihm von Percy beschriebenen Brüder sein konnten. Herr Marschall war als Feind jeder Religion, vor allem der katholischen, bekannt.
Sein ältester Sohn hatte zwar nie den besten Leumund besessen und war für seinen Vater, der trotz allen Religionshasses im Rufe eines Ehrenmannes stand, eine fortwährende Quelle des Kummers. Allein ein Laster, das die eigene Verworfenheit in solchem Grade vor den Augen der Welt bloßstellt wie die Trunksucht, ließ sich in der vornehmen Familie nicht gut vermuten.
„Der junge Herr Marschall muß sich gegen früher sehr zu seinem Nachteile verändert haben,“ sprach der Rektor, als er den Brief zu Ende gelesen. „Früher hat man nie dergleichen von ihm gehört.“