Percy sprach ein stilles Gebet zur Mutter Gottes.
„Wenn Sie wirklich sterben müssen,“ fuhr er dann fort, „so thäten Sie doch gut, an die andere Welt zu denken.“
Die Gesichtszüge des Unglücklichen verfinsterten sich wieder.
„Ich komme in die Hölle. Die letzten Jahre habe ich ein schändliches Leben geführt.“
Percy überdachte dieses Geständnis einen Augenblick.
„Aber Sie sind nicht immer böse gewesen?“ fragte er dann.
„Nein. Einst lebte ich brav, war zufrieden und glücklich.“ Bei der Erinnerung an schöne, bessere Zeiten schienen neue Kräfte in den abgezehrten Körper wiederzukehren. Der Mann erhob sich auf den Ellbogen und fuhr mit größerer Lebhaftigkeit fort. „Ich besaß eine vortreffliche Gattin, und ein liebes Kind, einen Knaben. Ich hatte damals einen höheren Posten in einer Fabrik und bezog einen ganz anständigen Lohn. Da traten Zerwürfnisse ein zwischen den Besitzern der Fabrik und den Arbeitern, deren Folge ein Ausstand war. Ich wurde gezwungen, ebenfalls die Arbeit niederzulegen. Der Ausstand hörte auf, aber ich erhielt meine Stelle nicht wieder. Ich sah meine Gattin vor Not und Elend hinsiechen. Ich gab mich zu den niedrigsten Arbeiten her, nur um ihr zu helfen; allein es wollte mir nicht gelingen, so viel zu erwerben, als sie bedurfte. Als sie in den letzten Zügen lag und mir noch einmal zulächelte, da war es aus mit meinem Glauben an Gott.“
„Armer Mann!“ sprach Percy mit Thränen in den Augen. „Es war hart. Aber Sie hätten um so mehr beten sollen, daß Sie Ihre Frau im Himmel wiedersehen. — Warten Sie, es ist zu anstrengend für Sie, sich auf den Arm zu stützen. Legen Sie Ihren Kopf auf meine Kniee.“
Percy setzte sich so, daß er dem Manne diese bequemere Lage möglich machen konnte.
„Sie sind sehr gütig. Gern möchte ich sprechen: ‚Gott segne Sie‘, allein das bedeutet in meinem Munde nichts. — Es verblieb mir also mein Söhnchen. Und wie liebte ich es! Ich arbeitete und plagte mich Tag und Nacht um den geringsten Lohn. Aber die Zeiten wurden immer schlechter; auch das Kind sah ich sterben. Da fluchte ich Gott.“