Ein sichtbarer Schauder überkam Percy. Während er der Erzählung weiter folgte, bewegten sich seine Lippen immerfort in leisem Gebete.

„Ich war nahezu wahnsinnig vor Schmerz. Von jener Stunde an haßte ich die Reichen, haßte Gesetz und Ordnung. Es war nicht recht, das wußte ich; ich war mit voller Überlegung schlecht. Von jener Stunde an war ich ein Dieb, ein Landstreicher, ein Räuber, bereit zu jeder Art Verbrechen. Allein das Sündenleben brachte mir wenig Glück. Mit jedem Monate geriet ich in tiefere Not. In Maurach habe ich die letzten acht Tage kümmerlich mein Dasein gefristet und wollte jetzt, da ich zum Fahren kein Geld habe, zu Fuß weitergehen. Ich glaubte nicht, daß meine Krankheit, die meine früheren Genossen von mir wegtrieb, so stark geworden sei, daß ich dieser Kälte keinen Widerstand mehr zu leisten vermöchte. — Ich leide nur, was ich längst verdient. Gnade giebt es für mich nicht. Meine Sünden sind zu groß. Ich gehe an jenen Ort, der für meinesgleichen geschaffen ist.“

Hatte Percy einen Protestanten oder einen Katholiken vor sich? Er beschloß, nicht darüber zu fragen. An ein Beichten war ja doch nicht zu denken. Das einzige, was sich thun ließ, war, den Mann zu einer vollkommenen Reue zu bewegen. Dieses Ziel allerdings hoffte er erreichen zu können. Es war ja schon ein gutes Zeichen, daß der Mann sein Unglück als wohlverdiente Strafe ansah.

„Gott verzeiht Ihnen sogleich, wenn Sie nur Ihre Sünden wirklich bereuen.“

Der Mann überlegte, während Percy aufmerksam seinen Blick auf das abgezehrte Antlitz gerichtet hielt. Da fing frischer Schnee zu fallen an, still und sanft.

„Ich darf es nicht mehr hoffen. Nein! Böse habe ich gelebt, und böse muß ich sterben.“

„Aber denken Sie an Jesus, der für Sie am Kreuze gestorben ist!“ drängte Percy milde. „Den letzten Tropfen Blut hat er für Sie vergossen.“

„Freilich. Aber ich habe es mit Füßen getreten,“ war die röchelnde Antwort.

In der Aufregung begann Percy laut zu beten.

„O mein Gott, mein Gott! Was soll ich sagen, um diese unsterbliche Seele für Dich zu gewinnen. O hilf mir, daß ich ihn zu einem Akt der vollkommenen Reue bringe. — Mein Freund!“ wandte er sich wieder zu dem Sterbenden, „mein lieber Freund, als Jesus am Kreuze hing und so schrecklich litt, vergab er noch einem Räuber, der ein ganzes Leben voll Sünden hinter sich hatte, auf dessen Seele gewiß mehr Verbrechen lasteten, als auf der Ihrigen. Er vergab ihm und nahm ihn am gleichen Tage noch ins Paradies auf. Jesus ist gegenwärtig nicht weniger huldreich. Sprechen Sie zu Ihm, mein lieber Freund! Sie haben gesündigt, aber Er will Ihnen so gern vergeben. Schließen Sie Frieden mit Gott! Sie haben nur eine einzige Seele.“