„Löschen Sie das Licht nur aus, Pater, ich bin schon im Bett.“
P. Middleton ließ seine Augen durch den Saal gleiten und ging langsam an das andere Ende desselben. Kein Lachen war zu vernehmen, doch ein verstohlenes Kichern vermochte mancher fröhliche Knirps nicht ganz zu unterdrücken.
Percy aber, durch den Klang seiner eigenen Stimme erschreckt, drückte die Augen fest zu und vergrub den Lockenkopf tief in Kissen und Decken. Ihm kam nicht im entferntesten zum Bewußtsein, daß er etwas gethan habe, was gegen die Ordnung sei. Sehr bald war das unschuldige Kind friedlich entschlummert, jene heiligen Namen auf den Lippen, die seine zärtliche, fromme Mutter dem einschlafenden Liebling so oft vorgesprochen und ihn sprechen gelehrt hatte.
3. Kapitel.
Die gelbseidene Krawatte und Ähnliches.
Am folgenden Morgen, kurz nach halb sechs, wurde es im Waschsaal der Kleinen lebendig. Immer mehr Zöglinge kamen aus dem Schlafsaal, einige noch recht schläfrig, und begaben sich an ihre Waschtische. Sie sprachen nicht miteinander, aber das Klappern der Becken, das Sprudeln und Plätschern des Wassers, das Geräusch der Bürsten, das scheinbar ordnungslose Hin- und Hergehen von hundert Knaben, — das mußte in jedem fremden Zuschauer den Eindruck eines recht frischen, geschäftigen Treibens hervorrufen.
Als daher Percy dieses Schauspieles ansichtig wurde, blieb er überrascht in der Thüre stehen. Da zogen einige gerade die Jacken aus oder an, oder streiften die Hemdsärmel empor, oder seiften ihre Köpfe ein, daß sie aussahen wie riesige Schneebälle, oder waren mit Kämmen oder Zähneputzen, oder mit Schuhwichsen oder Reinigen ihrer Kleider beschäftigt — und das alles Knaben, Knaben — nichts als Knaben, in allen Zuständen unfertiger Toilette, in jeder Art von Bewegung und Stellung. Es bedurfte einiger Augenblicke, bis Percy sich in diesem neuen, für ihn ungewohnten Anblicke zurechtgefunden hatte, und vielleicht hätte er noch länger dort gestanden, wenn nicht ein paar andere Knaben, die ihm folgten, ihn einfach in den belebten Saal hineingedrängt hätten.
In Toilettesachen war Percy vollständig zu Hause. Er füllte also jetzt sein Waschbecken, und besorgte das wichtige Geschäft des Waschens samt allem, was dazu gehört, mit der Gewandtheit eines Kundigen. Bald war die Krawatte an der Reihe. Da schaute er suchend durch den ganzen Saal und entdeckte auch schnell seinen Freund Tom, der schon fertig dastand, und sich nur noch bemühte, ein wenig beißender Seife aus dem Augenwinkel zu entfernen.