1. Kapitel.
Der schüchterne Neuling.

Das amerikanische Pensionat Maurach liegt, wie den Lesern von ‚Tom Playfair‘ schon bekannt ist, eine halbe Stunde von dem gleichnamigen Städtchen entfernt, einsam auf der welligen Prärie. Ein paar Wälder und mehrere Seen unterbrechen angenehm die weiten, unabsehbaren Grasstrecken seiner Umgebung.

Die jugendlichen Insassen des Hauses zerfallen nach Alter und Entwickelungsstufen in zwei Abteilungen von je hundert oder hundertzwanzig Zöglingen.

Auf dem Spielplatze der Kleinen bemerken wir heute das gewöhnliche muntere Treiben. Nur fällt uns ein Knabe von etwa dreizehn Jahren auf, der sich abseits von dem fröhlichen Getümmel mutterseelenallein auf einer Bank im Winkel des Platzes niedergelassen hat. Er ist ein zartes, schwächliches Kind. Sein offener Blick verrät Unschuld und Zutrauen, und jeder Zug des ausdrucksvollen Gesichtes erzählt von einer glücklichen, reinen, im Kreise lieber Angehörigen verbrachten Kindheit.

Eine Gruppe von fünf größeren Zöglingen, lauter kräftigen, dreist aussehenden Burschen, nähert sich ihm.

„Heda, Jüngelchen!“ ruft Kenny, der ihr Anführer zu sein scheint, in barschem Tone, „heda! was hockst Du hier so allein herum?“

Der Kleine, der wie in stillem Schmerze den Kopf gesenkt hielt, richtete sich bei diesen Worten langsam auf und erhob seine großen blauen Augen furchtsam und bittend zu den Herannahenden.